﻿Vererbungs- und Bastardierungsversuche mit
Antirrhinum.
Von Erwin Baur-Berlin.
Mit Antirrhinum majus sind schon früher vielfach Vererbungsversuche angestellt worden. Uber eine Reihe von Kreuzungen berichtet de Vries in der Mutationstheorie Bd. 2, S. 196 und dann hat vor allem Miss Wheldale1) über sehr umfangreiche Kreuzungsversuche mit Rassen von A. majus wichtige Mitteilungen gemacht.
Meine eigenen Versuche laufen jetzt im sechsten Jahre. Ich begann im Sommer 1904 mit Versuchen über die Erblichkeit der Aurea-Sippen, über die ich bereits an anderer Stelle kurz berichtet habe2). Ich achtete jedoch bald auch auf eine Reihe anderer Merkmale, Blütenfarbe, Blütenform, Wuchsart, Blattfarbe und Blattform. Die zu Anfang wenig umfangreichen Versuche wurden naturgemäß immer ausgedehnter. Noch 1906 bestand meine Kultur nur aus wenigen Individuen, Sommer 1909 wurden bereits rund 25 000 Pflanzen zur Blüte großgezogen und gezählt.
Durchgeführt wurden die Versuche in den ersten Jahren in meinem kleinen privaten Versuchsgarten in Friedrichshagen bei Berlin. Im Sommer 1909 habe ich jedoch auch einen Teil des Berliner Universitätsgartens mit benutzen können. Etwa die Hälfte der Freilandbeete war dort Versuchszwecken dienstbar gemacht, und was für mich das Wichtigste war, auch die Frühbeete und Gewächshäuser standen zur Anzucht der jungen Keimpflanzen und zur Überwinterung der Stammpflanzen wenigstens teilweise zur Verfügung.
1)	Wheldale, Miss M. The inheritance of flower colour in Antirrhinum majus. Proc. Roy. Soc. London. B. 79 1907. S. 288.
2)	Baur, E. Untersuchungen über die Erblichkeitsverhältnisse einer nur in Bastardform lebensfähigen Sippe von Antirrhinum majus. Ber. d. Deutsch. Betau. Ges. 25 1907. S. 442. Ferner: Die Aureasippen von Antirrhinum majus. Ztsclir.
r.d. Abst. u. Vererbungslehre 1 1909. S. 124.