﻿Vererbungs- und Bastardierungsversuche mit Antirrhinum.
35
Methodisches.
Alle wichtigen Verrichtungen, Kastrierung, Kreuzung, Samenernte, Aussaat und Etikettierung habe ich stets selbst vorgenommen. Pikiert habe ich bis 1908 ebenfalls alles selbst, seit 1909 habe ich hierfür in dem Obergärtner des Universitätsgartens W. Heuer einen zuverlässigen, stets hilfsbereiten Mitarbeiter. Das Auspflanzen erfolgt durch Gärtnergehilfen, aber stets unter meiner Kontrolle und in der Weise, daß immer nur eine Sorte gleichzeitig zum Auspflanzen von mir ausgegeben wird.
Die Aussaat erfolgte bis 1908 in Erde, die ich mir aus einer Gärtnerei bezog, die ziemlich frei von Antirrhinum war. Außerdem wurden die Saattöpfe schon 14 Tage vor dem Aussäen mit dieser Erde beschickt und feuchtwarm gehalten, um eventuell in der Erde ruhende Antirrhinum-Samen zum Auskeimen zu bringen. Seit 1909 säe ich nur in sterilisierte Erde aus, weil die Infektionsgefahr infolge der Massenkulturen von Antirrhinum jetzt zu groß geworden ist.
Um die zweite große Fehlerquelle bei derartigen Versuchen, Etikettverwechslungen und Schreibfehler auf den Etiketts, zu vermeiden, habe ich seit 1909 eine doppelte Etikettierung eingeführt. Jede Aussaat hat zwei verschiedene Nummern, eine Hauptnummer auf dem Etikett und eine auf den Topf geschriebene Kontrollnummer. Welche zwei Zahlen eine Aussaat kennzeichnen, zusammengehören, ist nur aus meinem Aussaatbuch zu ersehen, jede Verwechslung, jeder Schreibfehler beim Neuetikettieren äußert sich dann dadurch, daß zwei nicht zusammenpassende Zahlen Zusammenkommen, der Fehler meldet sich also selbst.
Im einzelnen ist weiterhin meine Buchführung die, daß auch jede Antirrhiuumpila.nze, die ich auf ihre Vererbung hin untersuche als „Stammpflanze“ eine Nummer bekommt, etwa „A. 26“ und außerdem als Kontrollnummer die Hauptnummer derjenigen Saat, aus der die betreffende Pflanze stammt. Im ganzen habe ich bisher 642 derartige Stammpflanzen. Alle Stammpflanzen halte ich jetzt in Töpfen und kultiviere sie mehrjährig, um immer die Möglichkeit zu haben, die Stammpflanzen mit ihrer Nachkommenschaft zu vergleichen und vor allem auch, um die Möglichkeit zu haben, mit den gleichen Stammpflanzen noch anderweitige Kreuzungen vorzunehmen, die zur Beantwortung von neu aufgetauchten Fragen notwendig werden.
Jede Stammpflanze hat in einem Zettelkatalog ihr Kartonblatt, auf dem ihre Aszendenz vermerkt ist. Ferner ist auf dieser