﻿Vererbungs- und Bastardierungsversuche mit Antirrhinum.
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heitlich, so ziehe ich weniger. Im allgemeinen säe ich etwa i y2—2-mal so viele Samen aus, als ich von der betreffenden Aussaat Individuen groß ziehen will. Aus dem Saattopf wird dann nur die gewünschte Anzahl -}- ungefähr 10 % pikiert. Der Rest der Keimpflanzen bleibt noch einige Wochen als Reserve im Saattopf stehen. Damit beim Pikieren der groß zu ziehenden Pflanzen jede (auch unbewußte!) Selektion vermieden wird, gehe ich stets in der Weise vor, daß ohne jede Auswahl alle innerhalb eines gewissen Teiles des Saattopfes gekeimten Pflänzchen pikiert werden. D. h. ich fange an irgend einer Ecke zu pikieren an und pikiere dann Pflänzchen um Pflänzchen weiter, schwache und kräftige, ohne eines auszulassen.
Erfahrungsgemäß geht vön den ausgepflanzten Individuen immer ein gewisser Prozentsatz frühzeitig zugrunde. Das kann natürlich, besonders wenn etwa einzelne herausmendelnde Typen weniger widerstandsfähig sind als die andern, zu einer Fehlerquelle werden. Ein weiterer Prozentsatz entgeht der Zählung dadurch, daß er zu spät zur Blüte kommt, d. h. den Frösten im Herbst zum Opfer fällt, ehe er geblüht hat. Um ein Urteil über die Tragweite der in den Versuchen gefundenen Zahlen Verhältnissen zu geben, führe ich daher im Folgenden, soweit ich Notizen darüber habe, bei den Aussaatberichten jeweils an, wieviele Pflanzen nicht zur Blüte gelangt waren1).
Diese Angaben über die Buchführung genügen wohl zum Verständnis der nachfolgenden Mitteilung.
Fragestellung.
Wir wissen heute, daß das, was wir als äußere Eigenschaften, Farbe, Form usw. an einem Organismus erkennen, abhängt von einer großen Zahl Erbeinheiten1). Erbeinheiten und sichtbare Außeneigenschaften sind ganz prinzipiell verschiedene Dinge, zwischen beiden bestehen, wie ich mich früher schon einmal ausgedrückt habe, nur ungefähr dieselben Beziehungen, wie sie etwa zwischen dem ja auch nur theoretisch erschlossenen, hypothetischen molekularen Aufbau einer bestimmten chemischen Verbindung einerseits und den äußeren Eigenschaften dieser Verbindung — Farbe, Geruch usw. — andererseits bestehen.
l) G enaue Notizen darüber, wieviele der pikierten und ausgepflanzten Individuen frühzeitig starben, habe ich erst seit 1909 für meine Aussaaten gemacht.
a) Vgl. hierüber: Baur, E. Einige Ergebnisse der experiementellen Vererbungslehre. Beih. zur medizinischen Klinik. Heft iq. 1908. S. 283.