﻿Vererbungs- und Bastardierungsversuche mit Antirrhinum.	43
dem Unterschiede zwischen Fig. 7 und Fig. 8 mehr gelbrot oder mehr blaurot.
Fehlt irgend einer der anderen vorgeordneten Faktoren für Farbe ganz, so ist L wirkungslos, z. B. bbccffitmmaall ist rosa Rücken, bbCCFFRRMMAALL ist weiß usw. Homo- und heterozygotisch schwarzrot (d. h. ll und Ll ceteris paribus) ist meist ziemlich deutlich unter-scheidbbar, fluktuiert aber transgredierend.
Wir haben also hier eine ganze Reihe von Faktoren, welche rote Färbung in verschiedenen Intensitäten und Nuancen bewirken. Voraussetzung dafür, daß ein Faktor sich äußern kann, ist immer, daß die vorgeordneten Faktoren alle wenigstens einmal in dem betreffenden Individuum enthalten sind. Von der Reihe B, F, R, M, A, L müssen immer alle links von einem Faktor stehenden übrigen Faktoren in einer Pflanze wenigstens einmal enthalten sein, damit dieser betreffende Faktor sich äußern kann.
Mit dieser Reihe von Faktoren ist nun aber die Zahl der Faktoren, welche die Blütenfarbe beeinflußt, noch lange nicht erschöpft. Zunächst sei von weiteren Faktoren genannt, der
Faktor D.
Alle Pflanzen, die d nicht enthalten, also alle dd-Individuen haben eine elfenbeinfarbige Röhre und zeigen die rote oder rötliche Farbe, die in ihnen durch die übrigen schon genannten Farbenfaktoren bewirkt wird, nur in den Lippen. So ist z. B. die dd-Form zu rot von Fig. 7, also eine Pflanze von der Formel BBCCFFRRMMAAUCCdd in Fig. 16 abgebildet, während Fig. 7 die Formel bbccffrrmmaaiidd hat. Die ddcc-Form zu Fig. 14 ist Fig. 17. Die dd-Form zu Fig. 12 ist Fig. 20 usw. Das Fehlen von D in einer Pflanze äußert sich ferner dadurch, daß auch in den Lippen die Farbe etwas blaßer ist als in den entsprechenden ,,Ganz“-Formen. Besonders auffällig ist das bei fleischfarbigen Sippen, z. B. ist die dd-Form zu Fig. 6 Taf. I sehr blaß und kann nur bei ganz genauem Zusehen von rein elfenbeinfarbigen Pflanzen unterschieden werden.
dd-Formen kenne ich bereits zu allen verschiedenen roten Farbenrassen mit Ausnahme der ,,rosarücken“-Sippen Eine Rasse von dem Aussehen von Fig. 16 ist unter dem Gärtnernamen „Delila“ im Handel und daher hat sich allmählich die Gepflogenheit eingebürgert, die dd-Formen als „Delila“-Formen im Gegensatz zu den „Ganz“-Formen zu bezeichnen.