﻿Vererbungs- und Bastardierungsversuche mit Antirrhinum.
97
schon h et er ozy gotisch sich in gleich starker Weise äußert, wie homozygotisch. Teilweise Dominanz liegt vor, wenn der Faktor heterozygotisch in seiner Wirkung deutlich geschwächt ist.
Von den in vorstehender Arbeit näher behandelten Faktoren sind es nur drei E, P, N, welche schon heterozygotisch, also als Ee, Pp, Nn, sich genau gleich stark äußern, wie homozygotisch als EE, pp, nn, d. h. hier sind die Heterozygoten nicht von den Homozygoten zu unterscheiden.
Dagegen alle Farbenfaktoren äußern sich homozygotisch intensiver als heterozygotisch. Im einzelnen bestehen freilich große Unterschiede, sehr leicht sind z. B. die Gg von den gg, die Ff von den ff zu unterscheiden, sehr schwer, meist gar nicht dagegen die DD von den dd, oft auch nicht LL von Li. Daß aber trotzdem auch in diesen Fällen der betreffende Faktor heterozygotisch (also nach der presence and absence-Theorie einmal vorhanden) sich schwächer äußert als wenn er homozygotisch, d. h doppelt vorhanden ist, kann man gelegentlich nach-weisen. Gerade in dem letztgenannten Beispiel, zwischen ll und Li, tritt ein Unterschied sehr deutlich hervor, wenn man die Pflanzen unter Bedingungen kultiviert, die der Ausbildung der roten Farbe entgegenwirken, also warm und schattig, es tritt dann ein Unterschied zwischen ll und Li-Pflanzen deutlich hervor, die Ll sind blasser.
Bei einzelnen der im vorstehenden beschriebenen Versuche z. B. im Versuch 6 und 7 habe ich die Heterozygoten und die Homozygoten getrennt gezählt, aber im allgemeinen tue ich das nicht, weil eben meist eine sichere Unterscheidung doch zeitraubend und vielfach sogar unmöglich ist, weil die Homozygoten und die Heterozygoten zwar oft verschieden sind, aber transgredierend fluktuieren.
Ich kann dementsprechend zwar in jeder Spaltung einzelne Individuen bezeichnen, die sicher homozygotisch in bezug auf einen bestimmten Faktor sind und ebenso andere, die sicher heterozygotisch sind, aber ich kann meist nicht von jedem einzelnen Individuum sagen, ob es homo- oder heterozygotisch ist.
Figurenerklärung zu Tafel I.
Farbenrassen von Antirrhinum majus. Auf die vorstehende Abhandlung beziehen sich die Figuren 1—17, ferner Fig. 19, 20, 26, 27, 28, 29, 30 und nur diese Figuren seien deswegen hier besprochen. Die übrigen Abbildungen beziehen sich auf eine spätere Arbeit, die auch in dieser Zeitschrift erscheinen soll und sind hier nur schon mitreproduziert worden, um die Kosten einer weiteren, sonst nötig gewesenen Tafel zu ersparen. Die Blüten sind alle nach der Natur von Herrn Maler Eichhorn-Berlin gemalt und dann in Farbenlithographie wiedergegeben worden.
Induktive Abstammungs- und Vererbungslehre. III.
7