﻿Psychotechnik.
In ihren Anfängen vielfach bekämpft, isst die Psychotechnik, d. h. die mechanische Prüfung der Tauglichkeit für einen bestimmten Beruf, heute ein unbedingt anerkanntes Verfahren, um ungeeignete Arbeitskräfte auszuschalten und die Auswahl der besten zu erreichen. Der Beruf, der dem Menschen Freude macht, ist doch meistens zugleich der, für den er geeignet ist. Diese Eignung ist, das sieht man an den Schwankungen der Probeleistung, ungemein verschieden. Der Beweis für die Zuverlässigkeit solcher Untersuchungen liegt sowohl in der Tatsache, daß bei mehrfachen Wiederholungen trotz einzelner Schwankungen der Gute gut und der Schlechte schlecht bleibt, und dann vor allem darin, daß in der Praxis die von der theoretischen Prüfstelle Vorgeschlagenen auch wirklich die Brauchbaren sind.
Eine besondere Abteilung der Deutschen Verkehrsausstellung unter Oberleitung des Reichsbahnsekretärs Happach gibt einen Überblick über die mannigfachen Versuche an Prüflingen. Besonders bemerkenswert ist die Prüfung zur Gewinnung ausbildungsfähiger Lokomotivführer. Die Maschinenfabrik H. Pautze & Co., Berlin-Reinickendorf, hat mit Hilfe eines kinemato-graphischen Verfahrens einen sinnreichen Apparat hergestellt. Der Prüfling steht, Fahrstrom und Bremse bedienend, auf seinem Führerstand, die Gleise bewegen sich, als ob er selbst in Fahrt wäre, auf ihn zu. Ein Zählwerk stellt einwandfrei fest, ob er die unvermutet auftauchenden Hindernisse, Haltsignale usw. entsprechend beachtet hat. Diese Proben werden demnächst auch in Bayern eingeführt. Ein Bahnsteigschaffner, der einen besonders scharfen Blick für die Gültigkeit der rasch angesammelten Fahrkarten haben muß, wird durch einen Apparat geprüft, der auf einem Laufband richtige und falsche Zeichen willkürlich nebeneinander vorbeigleiten läßt. Dann wieder müssen bestimmte Aufgaben im Kopf gemerkt und entsprechend durchgeführt werden, wobei teils die Zahl der Fehler, teils der Zeitablauf gemessen wird. Lehrlinge werden auf ihren Tastsinn an ungleichen Gewichten geprüft, ihr Augenmaß wird an verschiedenen Formen geübt, ihr technisches Verständnis an der Geschicklichkeit erkannt, mit der sie ein Drahtmuster möglichst ähnlich nachbiegen. Vielfach sind die Apparate, die Auffassungsvermögen und Intelligenz kontrollieren. Ein wichtiger Punkt ist die Nervosität. Metallplättchen, die in verschiedene Schlitze verpaßt sind, werden von einer Maschine in kurzen Zwischenpausen ausgegeben; wer gleich beim ersten Mißerfolg, durch das Klappern der ungenützt herunterfallenden Stücke zappelig wird, der hat schon verspielt.
In vielen Fällen erspart eine theoretische Prüfung die Mühe, Ungeeignete jahrelang auszubilden und dann doch für den angestrebten Dienst verloren zu sehen. Bei einer idealen Höchstforderung von 100 Punkten werden von einzelnen Resultate bis zu 98 Punkten erreicht, der Durchschnitt bewegt sich zwischen 60 und 70. Für die Betriebe ergibt sich eine brauchbare Handhabe in der Auswahl des Personals; sie kommt nicht nur der deutschen Wirtschaft zugute, sondern auch bei besonders verantwortlichen Stellen —■ Lokomotivführern, Kraftwagenführern, Hochspannungsarbeitern, Angestellten der chemischen Industrie — verringert sie . Ui^glücksfälle, zumal ja solche Prüfungen nicht nur am Anfang die Geeignetheit, sondern auch bei höherem Lebensalter die weitere Verwendbarkeit erkennen lassen.
(Münchener Neueste Nachrichten.)