﻿SPINDLER & HOYER G.m.b.H. GÖTTINGEN
m) Zum Schlüsse sei darauf hingewiesen, dag einige Apparate dadurch wertvoller werden, dag sie auch zu anderen Zwecken verwendbar sind. So ist schon unter i) beschrieben, wie sich die Gedächtnisapparate für Treff er versuche und damit auch für Reaktionsversuche überhaupt verwenden lassen. Und in ähnlicher Weise können namentlich die Apparate mit Ruckbewegung zu taehistoskopischen Versuchen gebraucht werden. Man lägt den Apparat z. B. 3 Rucke machen; beim 1. Ruck erscheine ein leeres Feld, beim 2. das Reizwort, beim 3. wieder ein leeres Feld. Dann war das Wort eine bestimmte kurze Zeit, also tachistoskopisch, exponiert. Die Expositionszeit kann innerhalb gewisser Grenzen variiert werden, indem man die Rucke schneller oder langsamer aufeinander folgen lägt. Freilich wird auch die kürzeste dabei erreichbare Expositionszeit in vielen Fällen noch zu lang sein. Manchmal aber wird sich doch diese Anordnung verwenden lassen, z. B. um die minimale Zeit zu bestimmen, die zur Apperzeption gewisser Reize nötig ist, oder um die relative Zahl von richtigen und falschen Apperzeptionen bei bestimmter Expositionszeit festzustellen. - Eine Variante dieser taehistoskopischen Versuche ist es, wenn man dem Beobachter nach der Exposition nicht längere Zeit zum Nachdenken gibt, sondern ihn zwingt, schnell zu reagieren, indem man den Apparat weiter rotieren und immer neue Reize geben lägt. Auch zu solchen Versuchen eignen sich die Gedächtnisapparate, sowohl die mit kontinuierlicher wie die mit Ruckbewegung. — Endlich lassen sich die Apparate auch in der Weise zu taehistoskopischen Versuchen verwenden, dag man vor der ruhig stehenden Silbe ein Tachistoskop aufstellt, welches die Silbe plöglich aufdeckt und nach bestimmter Zeit wieder ebenso plöglich verdeckt; ähnlich wie man zu Treffer- und Reaktionsversuchen vor die ruhende Silbe einen Fallschirm stellen kann. Der Gedächtnisapparat dient dann nur zum bequemen Auswechseln der Reize. — In allen diesen Fällen bietet der Gedächtnisapparat nur dann wesentliche Vorteile, wenn er die Anwendung längerer z. B. 40- oder 60 silbiger Reihen erlaubt.
Auger zu diesen 3, über Gedäehtnisversuche hinausgehenden Anwendungsweisen lassen sich die Apparate 210 und 211, namentlich der erstere, als Kymographien benügen; ihre Konstruktion ist auch aus der der Kymographien hervorgegangen. Endlich ist beim Apparat 215 der konstante Gang dazu ausgenügt, in bestimmten Intervallen Kontakte zu schliegen; der Apparat dient also gleichzeitig als Kontaktmetronom. Ja, da mehrere in verschiedenem Tempo gehende Kontaktreihen gleichzeitig nebeneinander benugt werden können, so leistet das Instrument ähnliches, wie das Chronoskop nach Kagenaar (Nr. 42).
Nr. 210. Gedächtnisapparat nach Müller=Schumann. (Zeitschrift für Psych., Bd. 6, S. 97). Dies ist der erste in der Literatur erwähnte Gedächtnisapparat. Er ist nicht für Ruckbewegung eingerichtet. Die Konstruktion ist der der Kymographien naehgebildet. Ein Gewicht treibt ein durch Windflügel reguliertes Uhrwerk; von diesem wird die Bewegung mittels Friktionsscheibenübersegung auf eine Trommel übertragen, auf die der Papierstreifen mit der Silbenreihe aufgespannt ist. Das Ge-
wicht hängt an einer Schnur, die von der Welle aus durch ein in den Tisch zu bohrendes Loch nach unten geht. Der Schirm vor der Trommel, welcher bewirkt,
m