﻿SPINDLER & HOYER ■> GÖTTINGEN.
fernung, bei welcher die Kopie den gleichen plastischen Eindruck erweckt wie das Original, ist im Falle des ruhenden Auges dann gegeben, wenn der Abstand von der Pupille gleich ist der Brennweite des Objektivs; im Falle des bewegten Auges (aber bei ruhigem Kopf) muß der Abstand des Bildes vom Drehpunkt des Auges gleidi der Brennweite sein. Da nun die gewöhnlichen Objektive Brennweiten von ca. 9—17 ein besitzen, und ein normales (nicht kurzsichtiges) Auge sich auf ein in so geringer Entfernung gehaltenes Bild nicht abkommodieren kann, so ist es nötig, das Bild in dem Maße, als es vom Auge entfernt werden muß, audi zu vergrößern. Dies leistet der Verant durch Anwendung einer entspredienden Lupe. Und zwar werden Veranten mit einer Lupe von 11 cm Brennweite für Objektive von 9 — 13 cm Brennweite geliefert und Veranten mit 15 cm Brennweite für 13—17 cm Objektive. Die Lupen sind so berechnet, daß sie frei sind von sphärischer und diromatischer Abweichung. Ferner ist die Brennweite so gewählt, daß der Brennpunkt ungefähr in den Drehpunkt des Auges fällt, wenn man das Auge an die Musdiel anlegt, welche vor die Linse gesetzt ist.
Das oben links zu sehende Bild zeigt den ganzen, sehr einfachen Apparat. Den Fuß bilden zwei Drahtbügel, die gleidizeitig, wenn man sie unten zusammenbiegt, als Handhabe dienen. Die Grundplatte des Apparates trägt einerseits an 2 Drahtstäben den Schirm, in dessen Mitte die Verantlinse befestigt ist. Die Muschel vor der Linse ist in der Figur in der Lage dargestellt, wie sie für das linke Auge paßt ; will man das rechte Auge benüßen, so muß die Muschel um 180° gedreht werden. Rechts und links von der Linse sind Einkerbungen in den Schirm geschnitten, die für die Nase bestimmt sind. Andererseits trägt die Grundplatte den Rahmen zum Aufnehmen der Kopien; er ist an einer Schiene befestigt, die in einer Führung auf der Grundplatte gleitet; man kann dadurch das Bild von der Linse nähern und von ihr entfernen. Der in der Figur rechts hinten stehend gezeidmete Rahmen dient zum Aufnehmen von nicht aufgezogenen Kopien.
Wichtig ist es, den Apparat so horizontal bezw. geneigt zu halten, wie der photographische Apparat bei der Aufnahme gestanden hat; das unnatürliche „Stürzen“ von Linien, das man bei Aufnahmen mit nidit horizontal gehaltenen Apparaten ohne Verant beobachtet, fällt bei Beniißung des leßteren weg.
Der Verant hat nicht nur den praktischen Wert, daß er Bilder in richtiger Plastik erscheinen läßt, sondern auch psychologisdies Interesse, da er besonders deutlich plastisdie Bilder liefert und dadurch zur Kenntnis der Faktoren, welche die Tiefenwahrnehmung vermitteln, beitragen dürfte.	Preis Mk. TO.—
Nr. 57. Doppel verant nach Gullstrand-Kohr. (Siehe das oben rechts gezeichnete Bild.) Derselbe hat zwei Linsen für die 2 Augen ; ihr Abstand ist variierbar, damit er dem Augenabstand angepaßt werden kann (zur Bestimmung des leßteren vgl. die Apparate Nr. 58 und namentlich 59). Damit die optischen Axen der Linsen bei verschiedenem Abstand der leßteren stets audi durch dieselben Punkte der Kopien gehen, so ändert sich bei diesem Instrumente mit dem Linsenabstande gleichzeitig der der Kopien. Es ist daher für jede Kopie ein eigener Rahmen vorgesehen. Die kleinste Pupillendistanz, für die der Apparat eingerichtet ist, beträgt 54 mm. Da man dementsprechend auch die Kopien soweit einander nähern können muß, daß ihre korrespondierenden Punkte nur 54 mm voneinander entfernt sind, so kann jede Kopie nur höchstens 48 cm breit sein. Damit troßdem ein relativ großes Bild gesehen werden
37