﻿SPINDLER & HOYER » GÖTTINGEN.

abgelesen werden. Bei der in der Figur gezeichneten Stellung, die der Primärstellung des Auges entspricht, stehen alle Indices auf dem Nullpunkt der zugehörigen Teilung.
Die dem Listing’sehen Gesege entsprechenden Bewegungen aus der Primärlage heraus erreicht man nun in folgender Weise: Die Erhebung oder Senkung des Blidces erhält man durch Drehen des Augapfels um die horizontale Axe a’; der vertikale Meridian, der im Modell durch die Stäbchen kk repräsentiert ist, bleibt dabei in einer vertikalen Ebene. Die übrigen Bewegungen des Listing’sehen Gesetzes erhält man dadurch, dag man die Axe a’ aus ihrer horizontalen Lage herausbewegt und nun den Bulbus um diese Axe in ihrer neuen Lage dreht. Die Stäbdien k k bedeuten dabei jenen Meridian, der sich bei der Drehung in seiner eigenen Ebene versdiiebt. Will man erfahren, wie sich der vertikale oder der horizontale Meridian verhält, so braucht man nur nach der Drehung der Axe a’ die Röhre r so zu drehen, dag k k wieder vertikal und die Stäbchen k’k’ horizontal stehen. Man wird dann bei der Drehung des Auges um a’ sofort merken, dag die Stäbchen nicht in einer vertikalen, bezw. horizontalen Ebene bleiben. Ihre Neigung kann man leicht feststellen, indem man zusieht, um wieviel Grade man die Röhre r drehen mug, um die Stäbchen in eine vertikale, durch die optische Axe des Auges gehende Ebene zu bringen. Dies geschieht am besten so, dag man durch den Axenkanal, weldier in dem Bulbus freigelassen ist und welcher ein Fadenkreuz trägt, auf einen vertikalen Faden oder eine vertikale Kante blickt und nach dieser die Stäbdien richtet.
Man kann an dem Phaenophthalmotrop auch den von Helmholg mittels der Nadibilder gelieferten Beweis für das Listing’sche Geseg demonstrieren. Erzeugt man nämlich in einem Auge ein Nadibild, so sieht man, durch den Axenkanal blideend, dag die Nadibilder wirklich in der Richtung zu stehen scheinen, in welcher die Stäbchen sich auf eine vertikale Wand projizieren.
In die hintere Öffnung des Bulbuskanales kann man eine Mattglassdieibe einschieben, auf die ein Kreuz gezeichnet ist; ähnlich in die vordere Öffnung eine Linse von entsprechender Brennweite. Durch diese bilden sich vertikale und horizontale Linien auf der Mattsdieibe ab, und man kann bei den einzelnen Lagen oder Bewegungen des Auges sehen, ob und wie viel die Bilder in ihrer Richtung von den Balken des Kreuzes (also vom vertikalen und horizontalen Meridian) abweichen.
Bisher war von der Axe a a nodi nidit die Rede. Zur Demonstration des Listing’sehen Geseges ist diese tatsächlich nidit nötig. Sie hat vielmehr den Zweck, dag man mit dem Instrumente auch anschaulidi demonstrieren kann, wie man sidi nach Helmholg die einzelnen, bei der Listing’schenBewegung resultierenden Lagen geometrisch konstruieren kann, nämlich 1) durdi eine Erhebung oder Senkung um die Axe a’, 2) durch eine Seitenwendung um die in Rede stehende Axe a a und 3) durch Raddrehung um die optische Axe. Das Auge führt aber diese Bewegungen nidit aus, sondern im wesentlichen nur die eine, dem Listing’sehen Gesege entsprechende Drehung.
Der Apparat wird in einfacherer und komplizierterer Form hergestellt. Bei der einfadieren ist die eben erwähnte Axe a a weggelassen. Dafür ist der Bulbus im Ringe R um die optische Axe drehbar. Dies bringt den Vorteil mit sich, dag man feste Angriffspunkte für die Augenmuskeln hat. Beim andern Modell ist dies nicht der Fall; denn bei jeder Drehung der Axe a’ aus ihrer horizontalen Lage heraus wird der Bulbus mitgedreht, es miigten also jedesmal andere Angriffspunkte gewählt werden.
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