﻿SPINDLER & HOYER » GÖTTINGEN.
netischen Stimmgabeln an. Die Sirene besigt bereits ziemlich viele Obertöne; die meisten aber haben die Metallsaiten und die Zungenpfeifen. Um Obertöne ganz auszuschließen, wie es z. B. bei Untersuchung der Anzahl der Differenztöne nötig ist, bedient man sich der Interferenz (vgl. No. 172).
Für manche Fragen ist es sehr wichtig, dieselbe Untersuchung mit Instrumenten anzustellen, die verschieden viele Obertöne liefern. Die einzelnen Gehörsreize bezw. -Empfindungen sind dann nicht bloß hinsichtlich ihrer Klangfarbe verschieden, sondern auch hinsichtlich der Schwebungen und Differenztöne, welche durch die Obertöne erzeugt werden. Daher werden einige besonders wichtige und vielseitige Apparate mit verschiedenen Tonquellen hergestellt, z. B. mit Stimmgabeln und Zungen ; vergl. die Anmerkung zu No. 155.
2.	Abhängigkeit der Tonhöhe von der Temperatur. Stimmgabeln und Zungen haben den großen Vorzug, dag sidi ihre Tonhöhe mit der Temperatur fast gar nicht ändert. Aus diesem Grunde und wegen der in den folgenden Punkten angeführten Eigenschaft eignen sie sich zur Bestimmung der Tonhöhe anderer Instrumente und zur Zeitmessung bei graphischen Registrierungen. Metallsaiten ändern bekanntlich bei stärkeren Temperaturschwankungen ihre Stimmung. Ebenso sind angeblasene Flaschen in der Tonhöhe von der Temperatur abhängig, da sich mit dieser erstens das Volumen der Flasche ändert, und da zweitens die wärmere, dünnere Luftmasse auf einen anderen Ton resoniert als die kältere, diditere.
3.	Abhängigkeit der Tonhöhe von der Stärke der Erregung. Wieder zeichnen sich Stimmgabeln und Zungenpfeifen dadurch aus, dag sie bei versdiieden starker Erregung (durch verschieden kräftiges Anstreichen und Anschlägen, bei elektromagnetischen Gabeln durch verschieden starken elektrischen Strom, ihre Tonhöhe nicht ändern, wenn nicht sehr extreme Intensitäten gewählt werden. Hingegen ändern die Lippenpfeifen und angeblasenen Flaschen bei verschiedener Stärke des Luftstromes ihre Tonhöhe erheblich. Man kann jedodi durch konstante Gebläse (vgl. No. 167 und namentlich No. 168) solche Änderungen vermeiden. Die Sirene würde, um einen Ton von konstanter Schwingungszahl zu geben, einen äußerst gleichmäßig laufenden Motor voraussegen.
4.	Möglichkeit einer feineren Abstufung der Intensität. Die Möglichkeit einer exakten und meßbaren Abstufung der Intensität bei gleicher Tonhöhe und Klangfarbe ist bei elektromagnetischen Stimmgabeln dadurch gegeben, dag man die Stromstärke variieren kann. Verbindet man mit den Gabeln offene Resonatoren (vgl. No. 161), so kann man nach dem Beispiele von Helmholg die verstärkende Wirkung des Resonators auch dadurch herabsegen, dag man die Öffnung, durch welche die Luft in den Resonator einti’itt, verkleinert. Dasselbe Prinzip lägt sich natürlich auch bei Zungenpfeifen mit Resonatoren verwenden. Freilich wird auf diese Weise kaum eine so feine Abstufung zu erreichen sein wie durch Änderung der Stromstärke. Offene Pfeifen kann man dadurch schwädien, dag man sie auf der einen Seite verschließt d. h. in gedeckte Pfeifen verwandelt. Vor allem aber ändert sich die Intensität des Pfeifentones bei Änderung des Druckes der aus dem Blasebalg kommenden Luft. Indem man z. B. auf den Deckel der Windlade verschiedene Gewichte auflegt, lägt sich dieser Druck etwas variieren. Ein Gebläse, das eine Regulierung des Luftdruckes innerhalb weiterer Grenzen und mit hinreichender Exaktheit ermöglichte, scheint zur Zeit noch nicht zu
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