﻿SPINDLER & HOYER » GOTTINGEN.
No. 183. Einfaches Haar-Aesthesiometer nach y. Frey. (Untersuchungen über die Sinnesfunktionen der menschlichen Haut. Erste Abhandlung: Druckempfindung und Schmerz, Abhandlungen d. math. phys. Classe der Kgl. Sachs. Ges. d. Wiss., Bd. XXIII. S. 214 f.). Das Instrument dient dazu, die Intensitätsschwelle für Druckreize der Haut, d. h. jene minimale Druckstärke zu bestimmen, bei welcher eben noch oder eben schon ein Druck gespürt wird. Eine exakte Regulierung und Variierung der Geschwindigkeit mit der der Reiz einseßt, sowie der Größe der berührenden Fläche erlaubt das Instrument nicht. Es soll nur ein möglichst einfacher und handlicher Apparat sein zur schnellen Orientierung über die Druckempfindlichkeit, wie er zu klinischen Zwecken nötig ist. Aber auch für die Demonstration wird es sidi aus denselben Gründen sehr eignen.
j	In einer ca. 5 cm langen äußeren Hülse H gleitet
j	mit etwas Reibung der Stab S, der der Länge nach mit einer
sehr feinen Bohrung versehen ist. ln diese Bohrung passt genau der dünne Draht D, welcher mit dem einen Ende an der äußeren Hülse H befestigt ist, während er an dem anderen, freien Ende ein Pferdehaar trägt, das durch die Bohrung des Stabes S hindurchgeht. Je nachdem man diesen Stab mehr oder weniger in die äußere Hülse hineinschiebt, pH	ragt das Haar verschieden weit über ihn hinaus. Nach der
Länge des vorragenden Stückes des Haares bestimmt sich I	aber der Widerstand, den dasselbe der Durchbiegung beim
Niederdrücken auf die Haut entgegenseßt: darauf beruht eben das Prinzip des Apparates. Jeder Länge des Haares, somit auch jeder Stellung des Stabes S und jedem Teilstrich an der Skala, die in diesen eingerißt ist, entspricht eine genau bestimmte Stärke des Druckes. Da das Haar ebenso wie die Hülse etwa 5 cm lang ist, so lassen sich sehr verschiedene Reizintensitäten herstellen, von den leisesten, meist unter schwelligen Intensitäten bei langem Haar, bis zu den kräftigen und schon schmerzenden Reizen bei nur wenig vorstehender Borste. Die extremen Intensitäten verhalten sich etwa wie 1 : 50.
Es sind noch einige Bemerkungen hinzuzufügen. Bei gleich langem, aber verschieden gebogenem Haare ist der ausgeübte Druck nicht ganz gleich. Der maximale Druck wird nahezu erreidit, ehe noch eine merkliche Biegung eintritt; bei Durchbiegung steigert sich der Druck noch ein wenig, nimmt bei stärkerer Durchbiegung aber wieder ab. Man wird also am besten so stark mit dem Instrument auf die Haut drücken, daß eine eben merkliche Durchbiegung eintritt. Bei stärkerer Biegung macht sidi außerdem der Fehler stärker bemerkbar, daß das Haar nicht mit der ganzen Fläche des Querschnittes, sondern nur mit einer Kante auf die Haut wirkt, und daß eine seitliche, im Sinne einer Verschiebung des Haares auf der Haut wirkende Komponente entsteht.
Das Haar darf auch deshalb nicht stark gebogen werden, damit seine Elastizitätsgrenze nidit iibersdiritten wird. Denn in diesem Falle kehrt es nicht sofort nach der Reizung, sondern erst nadi einiger Zeit in seine Ausgangslage zurück, oder es erhält gar einen dauernden Knick, so daß es durch ein neues erseßt werden muß.
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