﻿SP1NDLER & HOYER ° GÖTTINGEN.
Zum Schlüsse der Vorbemerkung seien noch kurz die wichtigsten Fragen angeführt, zu deren Lösung tachistoskopische Versuche verwendet werden. Die nächst-liegende Fragestellung ist wohl die, wie lange ein Reiz wirken muß, um überhaupt eine Empfindung auszulösen, wie lange er wirken muß, damit die Empfindung auch die dem Reiz entsprechende Intensität erreicht, und umgekehrt, wie sich intensiv und qualitativ eine Empfindung bei kurzdauerndem Reiz von der bei längerer Reizdauer unterscheidet. (Zeitschwelle, Ansteigen der Empfindung). In analoger Weise lägt sich die Zeitschwelle für die Erkennung von Wörtern, Buchstaben etc. unter verschiedenen Umständen (z. B. sinnlose und sinnvolle Zusammenstellung) bestimmen. Oder man bestimmt umgekehrt z. B., wie viele Buchstaben bei gleicher tachistoskopischer Expositionszeit noch richtig erkannt werden, wieder einerseits mit, andererseits ohne Wortzusammenhang. Hieraus lassen sich mancherlei Aufschlüsse über den Vorgang der Erkennung (Lesen) gewinnen. Ebenso gelangt man zu einer Analyse dieses Vorganges durch die Berücksichtigung der verschiedenen Fehler, die bei kurzdauernder Reizung auftreten. Man hat hierdurch den hemmenden oder störenden Einfluss von „Residuen“ und „Dispositionen“ feststellen können. Auch für die Beobachtung des Erkennungsvorganges sind die tachistoskopischen Versuche, namentlich bei nachfolgendem auslöschenden Reiz sehr instruktiv. Endlich hat man kürzeste Reize verwendet zur Untersuchung der Frage, wie viel Reize von bestimmter Art unser Bewußtsein in einem idealen Zeitpunkte (kein Wandern des Blickes und der Aufmerksamkeit!), also simultan zu umspannen vermag (Umfang des Bewußtseins), wie verschieden deutlich dabei die einzelnen Reize aufgefaßt werden („Klarheitsgrade des Bewußtsein s“), insbesondere bei verschiedener Verteilung der Aufmerksamkeit.
No. 223. Tacllistoskop nach Exner. (Über die zu einer Gesichtswahrnehmung nötige Zeit, Sißungsber. d. Wiener Akad. d. Wiss., math.-nat. Classe, 1868, Bd. 58, S. 601). Bei diesem Apparat ist zunächst das Episkotisterprinzip verwendet: Auf die Scheibe N werden 2 halbkreisförmige Ringsektoren aufgeseßt, die einen beliebigen Spalt bis zu 180° freilassen können. Blickt man von A (Auge) aus gegen 0 (Objekt), so wird dieses umso länger exponiert werden, je größer bei konstanter Umdrehungsgeschwindigkeit der freie Sektor ist, und je schneller bei gleichem Sektor die Scheibe rotiert. Bei dieser Anordnung wäre jedodi nodi ein großer Mangel vorhanden. Das Objekt würde auch bei den vorhergehenden und bei den folgenden Umdrehungen der Scheibe jedesmal auf kurze Zeit exponiert. Dies zu verhindern, ist der Zweck der zweiten Scheibe M. Sie ist durch eine Zahnradüberseßung mit N so verkuppelt, daß sie sich einmal umdreht, wenn N 12 Rotationen macht, und sie besißt einen sektorenförmigen Aussdmitt von der Peripherie. Blickt man also von A aus durch M und N gegen O, so wird man, während der freie Sektor vor M vorbeizieht, die Scheibe N eben eine volle Umdrehung machen sehen; hingegen ist dieselbe während der
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