﻿an der Königlichen Universität Breslau.
ohne weiteres ein. Die Arbeitsbasis ist dadurch für die Landwirtschafts-Wissenschaft an der hiesigen Universität eine viel breitere geworden, und darum ist zu hoffen, dass auch die Arbeitsresultate sich dementsprechend mehren werden. Ein weiterer Vorteil dieses Systems liegt aber auch darin, dass die Prosperität einer so breit fundierten Lehrstätte gesicherter ist, weil sie sich nicht mehr auf nur 2 Augen stützt, wie bei dem älteren System. Nun könnte man einwenden, dass auch bei dem alten System mehr als ein Lehrer die verschiedenen Zweige der Landwirtschaftswissenschaft dociert und dass also auch da die Frequenz der Lehrstätte nicht nur von dem einen abhinge, welcher das landwirtschaftliche Institut leitet, da man doch nicht annehmen könne, dass nur der eine Hervorragendes leiste und die anderen Docenten nur dii miuorum gentium wären. Dieser Einwurf ist aber nicht stichhaltig, denn auf das blosse oder überwiegende Docieren und Vorlesungenhalten kommt es bei einer Wissenschaft, wie es die Landwirtschaftslehre ist, gar nicht in erster Linie an, sondern vielmehr darauf, dass an einer Lehrstätte der Landwirtschaft wissenschaftlich recht viel produziert wird. Dort wo wissenschaftlich Gutes geleistet wird, von wo Gedanken und Ratschläge ausgehen, welche der Landwirtschaft nützen, oder sie in neue Bahnen lenken, geht der studierende Landwirt mit Vorliebe hin, da ist für ihn „etwas los“, wie der studentische Ausdruck lautet; wo diese Quelle der Anregung aber fehlt, da ist mit den zahlreichsten und schönsten Vorlesungen nichts zu erreichen. Es muss an landwirtschaftlichen Lehrstätten auch etwas zu sehen und zu zeigen sein, denn das blosse Wort verhallt, aber der sichtbare Eindruck zieht an und wirkt nach. Wenn nun aber das landwirtschaftliche Institut in einer Hand liegt und das Unglück es will, dass diese nicht die richtige an der rechten Stelle ist, daun liegt der Hauptapparat brach und die anderen Docenten können gar nichts daneben erreichen. Selbst aber wenn dieser eine Apparat in die richtige Hand gelangt, dann können die anderen Docenten auch nur sehr wenig zum Erfolge mithelfen, weil sie des Apparates zu eigener Arbeit entbehren oder, wenn sie einen solchen in Form eines Zweiginstitutes besitzen, die volle Bewegungsfreiheit nicht haben und daher keine erhebliche Anziehungskraft auf die Studierenden ausüben können. Werden ihnen aber Mittel von dem Inhaber des Ganzen zur Verfügung gestellt, oder werden sie nicht absichtlich behindert, so sind sie doch äusserst abhängig von diesem, ein Zustand, welcher für eine gedeihliche selbständige Arbeit nicht förderlich sein kann. Ein weiterer Einwurf gegen dieses neue System der Herstellung einer Anzahl gleichberechtigter, koordinierter Specialinstitute könnte nun der sein, dass man fürchten müsse, dass diese einzelnen, so gänzlich selbständig gemachten Zweige der Landwirtschaftslehre centrifugal auseinanderstrebten und dass darunter das Gesamstudium der Landwirtschaft leiden müsse. Diese Gefahr soll nicht geleugnet werden, aber bei einigem guten Willen liesse sich derselben wohl begegnen, und welchen Weg man zu diesem Zwecke in Breslau eingeschlagen hat, das soll der folgende Abschnitt zeigen.