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Das Studium der Landwirtschaft
2. Die gemeinsamen Beziehungen der einzelnen Institute zu
einander.
In der Erkenntnis, dass die völlige Auseinandertrennung der einzelnen Specialinstitute der Landwirtschaftslehre ihre Gefahren für das Studium der Landwirtschaft und seiner Vertretung nach aussen und innen haben könnte, war Referent bestrebt, sobald die Trennung der Institute offiziell verfügt war, einen neuen Sammelpunkt für dieselben zu schaffen.
Diese Vereinigung zur Pflege der Gesamtinteressen des Landwirtschaftsstudiums konnte zunächst nur auf der Grundlage freiwilliger, kollegialer Vereinbarung gesucht werden, um sowohl ein Auseinanderstreben, als eventuelle Versuche eines Einzelnen, seinen Einfluss ohne die Zustimmung der nächsten Fachkollegen nach irgend einer Richtung hin zur Geltung zu bringen, welche den allgemeinen Interessen des Landwirtschaftsstudiums an hiesiger Universität oder denen eines einzelnen Zweiges desselben zuwiderläuft, möglichst einzuschränken oder zu verhindern. Ein freies, unbehindertes kollegialisches Zusammenwirken zum gemeinsamen grossen Ziele erschien auf der Grundlage der vollkommen hergestellten sachlichen und persönlichen Unabhängigkeit der einzelnen Institutsleiter nunmehr möglich und zwar durch die Herstellung kollegialer offener gegenseitiger Aussprachen und den Versuch einer Anbahnung gegenseitiger Fühlungnahme auch in wissenschaftlicher Beziehung.
Sofort nach Bekanntwerden des Ministerialerlasses vom 1. Juni 1898, welcher die Trennung und Selbständigkeit der Einzelinstitute der Landwirtschaftslehre verfügte, schickte Referent hei den 4 engeren Fachkollegen ein Cirkular folgenden Inhaltes herum (datiert vom 7. Juni 1898):
„Bei der Entwickelung, welche die Vertretung der Landwirtschaftslehre und ihrer Hilfswissenschaften an hiesiger Universität genommen hat, wodurch die grosseren Zweige derselben zu selbständiger Stellung gelangt sind, liegt die Gefahr nahe, dass diese einzelnen Zweige mehr und mehr die Fühlung untereinander verlieren und ihre eigenen Wege gehen, ohne die allen gemeinsamen Interessen entsprechend zu pflegen. Schon dadurch, dass räumlich hier in Breslau kein gemeinsamer Sammelpunkt für die Vertreter der Landwirtschaftswissenschaft und ihrer Hilfsfächer besteht, wie etwa ein gemeinsames Sprechzimmer, wo man sich treffen und über dieses oder jenes aussprechen kann, ist eine gegenseitige Fühlungnahme erschwert und die Isolierung des Einzelnen um so empfindlicher.
In der Annahme, dass ich in diesem Bedürfnisse nach wissenschaftlichem Gedanken-und Erfahrungsaustausch und wissenschaftlich-fachlicher Anregung innerhalb unseres gemeinsamen grossen Arbeitsgebietes nicht allein stehe, möchte ich mir erlauben in Vorschlag zu bringen, dass wir Docenten, welche in Breslau die Landwirtschaftslehre und ihre Hilfsfächer vertreten, uns monatlich einmal an einem bestimmten Tage zu einer gemeinsamen Besprechung vereinen, in welcher nach freiem Ermessen jedes Einzelnen kleine Referate über eigene Arbeiten erstattet oder Litteraturbesprechungen aus den verschiedenen Specialgebieten vorgenommen werden. Ein solcher wissenschaftlicher Verkehr könnte anregend und befruchtend wirken, ohne durch zu häufige Wiederholung lästig zu fallen. Es würde mir auch zweckmässig erscheinen, bei diesen Zusammenkünften gleichzeitig organisatorische und Verwaltungsangelegenheiten, welche das gesamte Studium der Landwirtschaft an hiesiger Universität betreffen, zu besprechen, z. B. den Stundenplan, die Studienordnung, Bibliotheksangelegenheiten, Exkursionen und sonstige Dinge, welche eventuell verschiedene Herren Kollegen mitberühren oder nicht ausschliesslich in das Specialressort des Einzelnen fallen.