﻿an der Königlichen Universität Breslau.
Für die freiere Entwickelung der einzelnen Zweige ist die völlige Selbständigkeit der einzelnen Institute zweifellos erwünscht und notwendig; gerade durch diese strenge Scheidung aber droht ein grosses Feld gemeinsamer Interessen übrig zu bleiben, welches ohne die Herstellung einer gewissen Verbindung der einzelnen Zweige untereinander entweder brach liegen oder nicht in der Weise gepflegt werden würde, wie cs sowohl das Gesamtiuteresse des Studiums, als auch das der einzelnen Beteiligten erfordern würde.
Ich halte daher die Herstellung gegenseitiger Fühlungnahme in wissenschaftlicher und organisatorischer Beziehung für eine gedeihliche und allseitig befriedigende Förderung des Studiums der Landwirtschaft an hiesiger Universität und unserer gemeinsamen Interessen innerhalb dieser Körperschaft und auch der Provinz gegenüber nicht nur für nützlich, sondern sogar für notwendig.
Sollten Sie, sehr geehrter Herr Kollege, geneigt sein, diesem Vorschläge näher zu treten, so bitte ich ergebenst, Ihre Meinung geft. hierunter äusseru zu wollen. Das Ergebnis dieser Umfrage wird dann zeigen, ob der Gedanke Aussicht auf Verwirklichung hat.
Zum Schluss möchte icli mir erlauben noch hinzuzufügen, dass ich es für wünschenswert halten würde, auch die jüngeren Herrn Kollegen und mit Auswahl auch die Herren Assistenten zur Teilnahme an diesem Colloquium aufzufordern, falls es überhaupt zustande kommen sollte.“
Zur grossen Freude des Referenten erzielte diese Aufforderung allgemeine Zustimmung, und so fand am 12. Juli 181)8 das erste Colloquium statt; demselben folgte am 2. August ein zweites, am 1. November ein drittes, am 6. Dezember 1898 ein viertes, am 10. Januar 1899 ein fünftes und am 7. Februar ein sechstes.
Diese Zusammenkünfte haben neben einigen interessanten Referaten und wissenschaftlichen Diskussionen auch schon einige praktisch wertvolle Ergebnisse gezeitigt.
So einigte man sich z. B. gleich in der ersten Sitzung darüber, dass die im Lesezimmer der Studierenden ausliegenden und später den einzelnen Bibliotheken einzuverleibenden Zeitschriften in der Weise verteilt werden sollten, dass jedes Institut diejenigen Zeitschriften hält und zur Auslage hergiebt, welche dem Gebiete seines specielleren Arbeitskreises angehören, während die Institute für landw. Pflanzen- und Tierproduktionslehre die allgemein landwirtschaftlichen Zeitschriften und Zeitungen je zur Hälfte auf ihre Etats übernahmen. Durch diese Massregel wird das doppelte und dreifache Halten einzelner Zeitschriften, wie es bisher hier wiederholt vorkam, vermieden und das dabei ersparte Geld für andere Zwecke disponibel gemacht. Die Institutsleiter kamen dabei überein, sich gegenseitig von ihren grösseren Bibliotheksanschaffungen zu unterrichten, und die ganzen Bibliotheksangelegenheiten in Zukunft als eine Sache von gemeinsamem Interesse zu behandeln.
Die zweite Sitzung förderte den Beschluss der Begründung eines gemeinsamen Publikationsorganes zu Tage, welches in vorliegendem Hefte zum erstenmale in die Erscheinung tritt. Referent hatte bereits mit der Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin einen Kontrakt über Berichte gemacht, welche das Institut für landw. Pflanzenproduktionslehre für sich allein herausgeben wollte, da er sich des Erfolges eines Antrages bei den Fachkollegen zu gemeinsamer Herausgabe solcher Berichte zu wenig sicher war, als Herr Prof. Stutzer dem Referenten den Vorschlag zur Gründung