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Das Studium der Landwirtschaft
Bei diesen .Studienplänen wurden alle Vorlesungen naturwissenschaftlicher, volkswirtschaftlicher und landwirtschaftlicher Art, welche nicht unbedingt für die Examina oder für die Abrundung des Studiums nötig sind, sowie alle diejenigen, welche im Interesse der Hebung der allgemeinen Bildung gehört werden können, nicht mit aufgeführt, weil darüber nur der Geschmack und das Interesse des Einzelnen entscheiden und die Auswahl derselben auch erst dann stattfinden kann, wenn man das Fachstudium für das betreffende Semester festgelegt hat und nun Übersicht, welche Stunden event, noch zur Disposition stehen und welche Vorlesungen für diese Stunden in Frage kommen könnten. Darüber belehrt sowohl der Stundenplan für das Studium der Landwirtschaft, als auch das Vorlesungsverzeichnis der hiesigen Königlichen Universität.
Auf ein Studium von 1 oder 2 Semestern erstreckt sich die Studienordnung nicht, da diese Zeit in keinem Falle dazu ausreicht, eine Abrundung der wissenschaftlichen Ausbildung zu erwerben.
Es empfiehlt sich bei einer so kurzen Studienzeit am meisten, am Anfänge des Semesters iu möglichst vielen Vorlesungen zu hospitieren und sich, sofern nicht ein Specialinteresse für bestimmte Fächer vorhanden ist, dem man dann selbstverständlich folgt, diejenigen Vorlesungen auszusuchen, die am meisten interessieren.
Ein Studium von 1 oder 2 Semestern kann bei gewissenhafter Benutzung der Zeit auch vou Wert sein, indessen kann sieh der Vorteil, den eine so unzureichende Studienzeit bietet, niemals mit demjenigen vergleichen, den eine Studienzeit von dem Umfange zu bringen vermag, für den sic von Hause aus zugeschnitten ist.
Es sollte damit also keinerlei Zwang ausgeübt werden, sondern eine solche Studienordnung soll nur in ganz objektiver Weise, ohne jede Rücksicht auf irgend welche persönlichen Verhältnisse, den Studierenden den Weg zeigen, auf dem sie nach Lage der hiesigen Stundenpläne in kürzester Zeit eine möglichste Abrundung ihrer wissenschaftlichen Ausbildung erreichen können. Nicht schulmeisterliche Fesseln sollten den Studierenden damit angelegt werden, sondern als Freund und Mentor wollte Referent wirken und die Studierenden davor bewahren, durch Unüberlegtheit und Mangel an Ein- und Übersicht oder unter dem Einfluss falscher Ratschläge Zeit zu verlieren oder die Zeit nicht voll auszunutzen.
Die Einrichtung ist übrigens von den Studierenden sehr sympathisch aufgenommen worden und die Art des Belegens der Vorlesungen und Übungen hat sich gegen früher ganz beträchtlich seit Einführung der Studienordnung zum Rationellen hin gebessert. Die Studienordnung hat in dieser Richtung schon viel mehr gewirkt, als die vom Referenten seit S.-S. 1896 neu eingerichtete Vorlesung über „Einführung in das Studium der Landwirtschaft“, weil die Studienordnung rechtzeitig jedem Studierenden zu Händen kommt.
Ehe die Studienordnung aufgestellt werden konnte, musste erst eine beträchtliche Reform des Stundenplanes vorangehen, und dazu waren mehrere Semester erforderlich. Daher konnte Referent auch erst so spät zur Realisierung dieses lange gehegten Planes gelangen.
Die Aufstellung einer solchen Studienordnung ist eine sehr mühsame Arbeit, denn dabei treten erst die Schäden und Fehler des Stundenplanes deutlich hervor. Ich kann meinen Kollegen nicht dankbar genug sein, dass sie mir alle durch freundlichstes Entgegenkommen diesen Plan durchführen halfen, denn ohne ihre Gefälligkeit wäre seine Verwirklichung ganz unmöglich gewesen. Herrn Prof. Holdefleiss gebührt mein besonderer Dank, dass er die Studienordnuugen stets mitunterzeichnet hat.