﻿293	Kohte, Die Kirche San Lorenzo in Mailand.			294
	Uebertrag 294:00 Ji,		Uebertrag 230080 Ji,	29400 Ji,
a) Erdarbeiten bis Kellersohle .	1610 Ji,	r) Bauführung .	.	.	.	.	.	21360 Ji,	
b) Maurerarbeiten		23720 Ji,	s) Insgemein .	.	.	.	.	.	14400 Ji,	
c) Maurermaterialien ....	34210 Ji,		zusammen .	.	265840 Ji,
d) Asphaltarbeiten .	.	.	.	.	850 Ji,	3. Innere Einrichtung:		
e) Steinmetzarbeiten einschl. Mat	66840 Ji,	a) Möbel ....	. . . . 27900 Ji,	
f) Zimmerarbeiten		11540 Ji,	b) Instrumente .	.	....	24000 Ji,	
g) Stakerarbeiten		990 Ji,		zusammen .	.	51900 Ji,
h) Schmiede- und Eisenarbeiten	9780 Ji,	4. Nebenanlagen .	.		16500 Ji,
i) Dachdeckeiarbeiten ....	5190 Ji,	5. Nebengebäude .	.		9520 Ji,
k) Klempnerarbeiten ....	1820 Ji,		im ganzen .	.	373160 Ji.
1) Tischlerarbeiten		22210 Ji,	Bei 784,5 qm bebauter Grundfläche des Hauptbaues hat		
m) Schlosserarbeiten ....	5210 Ji,	das Quadratmeter ausschliefslich Gründung 339 Ji, und bei		
n) Glaserarbeiten		2550 Ji,	11203,5 cbm Rauminhalt	(von Kellersohle bis zu den Haupt-	
o) Anstreicherarbeiten ....	5760 Ji,	gesimsen gerechnet) das	Cubikmeter 23,7 Ji gekostet. Die	
p) Ofenarbeiten, Centralheizung.	19900 Ji,	Bauausführung erfolgte unter Oberleitung des		Universitäts-
q) Gas- und Wasserleitung .	.	17900 Ji,	Architekten und Kreisbauinspectors Wentzel durch den Unter-		
zu übertragen	230080 Ji, 29400 Ji,	zeichneten.		ZölffeL
Die Kirche San Lorenzo in Mailand.
(Mit Zeichnungen auf Blatt 29 bis 35 im Atlas.)
(Schluß;.)
(Alle Rechte Vorbehalten.)
III. Die Gestalt der Kirche in römischer, byzantinischer und romanischer Zeit
Liegen auch keine sicheren schriftlichen Beläge vor, dafs San Lorenzo auf der Stelle eines untergegangenen römischen Baudenkmals sich erhebe, so liefert doch das heutige Gebäude genügende Anzeichen, um diese Thatsache aufserhalb jedes Zweifels zu stellen. Die korinthischen nnd compositen Capitelle, welche in nicht geringer Zahl in San Lorenzo und in Sanlppolito vorhanden sind und alle zu einer gleichen Ordnung gehören, sind viel zu gut, als dafs sie > christlicher Zeit ausgeführt sein könnten; vielmehr stimmen ihre Formen mit jenen der vor der Kirche befindlichen antiken Säulenreihe völlig überein. Die genannten Capitelle mögen einst zum Schmucke irgend eines heidnischen Prachtsaales gehört haben, der von ihrem heutigen Standorte nicht weit entfernt zu suchen sein wird. Desgleichen ist das vor San Aquilino befindliche Thürgestell zweifellos römische Arbeit; wahrscheinlich gilt auch dasselbe für das unter den Grundmauern dieser Capelle gefundene Betonpflaster. Das Mauerwerk der ältesten Theilo nicht allein der Kirche, sondern auch der ihr angehörenden Bauwerke besteht aus Ziegeln, welche muthmafslich einem abgebrochenen römischen Bau entnommen sind, und zeigt Bildungen, für welche römische Vorbilder sich beibringen lassen. Die genaue TJebereinstimmung der Achsen von San Lorenzo mit denen der alten Capellen und sogar der antiken Säulenreihe verdient, besonders bei einem mittelalterlichen Banwerke alle Aufmerksamkeit. Schliefslich sei auch auf die zahlreichen Bruchstücke von Inschriften der römischen Kaiserzeit hingewiesen, welche in und bei der Kirche gefunden worden sind.1)
Gewöhnlich pflegt eine Bodenerhebung den Ort zu kennzeichnen, wo ein mächtiger Bau untergegangen ist, und auf
1)	Th. Mommsen, Corpus inscriptionum Latinarum. V, 2. Gallia cisalpina. Berlin, 1877. Fol. Nr. 5805 , 5806 , 5809, 5810, 5814, 59S2, 6223 und 6303.
einer solchen steht San Lorenzo.1) Vom Carrobbio kommend, steigt der Corso di Porta Ticinese bis hinter der Mitte der antiken Säulenreihe auf einer Strecke von 100 m um mehr als iy2 m an und fallt von dort wieder abwärts.2) Von der Säulenreihe steigt das Erdreich bis zur Schwelle der Kirche nochmals um 80 cm an. Noch gröfser ist der Unterschied zwischen dem Fufsboden der Kirche und dem Pflaster der sie nördlich und östlich umgebenden Piazza della Vetra, ein Unterschied, welcher beim Austritt aus San Sisto fast 3 m beträgt, nach der gegenüber liegenden Seite des Platzes aber noch bedeutend wächst3)
So grofsartig nun auch das antike Gebäude, welches die Stelle von San Lorenzo einnahm, gewesen sein mag, so wurde es doch in solchem Mafse zerstört, dafs von seiner Gestalt uns nichts erhalten blieb. Das heutige Gebäude steht, wie die Untersuchung der Grundmauern ergab, in keinem unmittelbaren Zusammenhänge mit dem heidnischen. Es ist aber eine nicht ungewöhnliche Erscheinung in der Geschichte der kirchlichen Architektur, dafs spätere Erneuerungen einer Kirche zwar den Aufbau je nach den künstlerischen Anschauungen und dem technischen Vermögen ändern, das Wesen des alten Grundplans aber festhalten.4) Sollte der christliche Neubau daher nicht
1)	Der Boden Mailands, welcher im allgemeinen nach einer schiefen Ebene von Nordwest nach Südost fällt, sodafs der höchste und der tiefste Theil der Stadt gegen einander einen Unterschied von 15 m aufweisen, ist von natürlichen Erhebungen frei. Wo dennoch Erhebungen Vorkommen, sind sie erst durch Zerstörung alter Bauwerke hervorgerufen worden. VergL Milano Tecnica, Ipsografia.
2)	Seitdem man vor einigen Jahren die Brücke, welche über den mittelalterlichen Festungsgraben führt, erneuert hat, ist allerdings das Gefälle gegen' dieselbe hin verringert worden.
3)	Die Senkung des Platzes auf der Nordseite wird allerdings durch die Niederung der Vetabbia vermehrt, eines alten Canals, welcher ehemals zwar ein wichtiger Wasserlauf war, heute aber, da er stark eingeengt, überbrückt worden ist.
4)	Eine bedeutende Ausnahme von dieser Regel bildet der centrale Neubau von S. Peter in Rom, welchen die Begeisterung der Renaissance für den Centralbau an Stelle des alten Langbaues setzte.