﻿GRUNDFRAGEN DER ANATOMIE UND PHYSIOLOGIE DES NERVUS VAGUS.
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handlang ausführlich dargelegt. Solche, die sich für das Nähere darüber inte-ressiren sollten, auf diese Schrift verweisend, will ich jetzt einiges über die Beziehungen des Vagus zum Lungengewebe sagen. Es ist bekannt, dass die Durchschneidung beider Vagi Hämorrhagie und Pneumonie in den Lungen nach sich zieht, der Traube’schen Theorie nach infolge des Eindringens in die Lunge von Speiseresten und sonstigen Fremdkörpern, welche infolge der Resection der in den Vagi befindlichen sensorischen Fasern der Lungen durch Husten nicht entfernt werden können. Die Sache ist aber die, dass die Lungen manchmal auch dann leiden, wenn nur der eine N. Vagus durchschnitten ist, wenn folglich der Larynx und die Trachea, die durch beide Nerven innervirt werden, ihr Empfindungsvermögen nicht eingebüsst haben können. Hierher gehören zwei von mir beobachtete Fälle, einige Fälle Grenzmer’s * *), Durdufi’s 8) und mehrere an Menschen angestellte Beobachtungen. In meinen und Durdufi’s Fällen erwiesen sich nicht die geringsten Spuren irgend welcher Fremdkörper in den Luftwegen. Dass Durdufi seine Beobachtungen an jungen Tieren machte, erhöht sogar in einem gewissen Sinne die Beweiskraft derselben, da sich bei erwachsenen Tieren Innervation einer jeden Lunge durch beide Vagi entwickelt haben kann, was bei jungen Tieren, die ihr volles Wachstum noch nicht erreicht haben, der Fall auch nicht sein könnte. Ich halte somit Beobachtungen an jungen Tieren für zweckmässiger, doch bleibt in beiden Fällen die Thatsache dieselbe: Resection des Nerven und Lungenveränderungen unter absoluter Abwesenheit von Fremdkörpern in den Luftwegen, und daher völlige Unmöglichkeit den Vorgang auf Grund der Traube’schen Theoiie zu erklären. Die Un-zulänglichkeit dieser Hypothese machte sich schon seit lange fühlbar. Schiff erklärte schon die Enstehung der oben beschriebenen Erkrankung der Lungen durch die Lähmung der vasomotorischen Fasern des Vagus (infolge der Resection), daher die Erkrankung selbst eine neuroparalytische genannt wurde. Zu letzterer Theorie neigen auch die neuesten Untersuchungen Gourfein’s im Jahre 1895. Meiner Meinung nach kann dieselbe aber keine genügende genannt werden. Bei meinen Versuchen mit der Durchschneidung eines so starken Vasoconstrictors wie der Nervus splanchnicus major erhielt ich eine Hyperämie der Gefässe, beobachtete aber kein einziges Mal Hämorrhagie ’). Folglich zieht die Durchschneidung eines Vasoconstrictors als eines solchen noch keine Blutergiessung und noch weniger eine Entzündung nach sich. Damit erstere stattfinde, ist eine Störung der Ernährung der Gefässwand, d. h. eine trophische Erscheinung, notwendig. Im Jahre 1895 sprach sich auch Bentivegna 4) zu Gunsten der neuroparalytischen Theorie aus, indem er bewies, dass der Vorgang in den Lungen nach Durchschneidung der Vagi kein entzündlicher sei und eigentlich durch die Durchschneidung des mit dem Vagus engverbundenen N. sympathicus, der den Lungen Vasomotore zuführt, hervorgerufen werde. Der genannte Forscher be-
') PHiiger’s Archiv. 1878. Gründe f. d. pathol. Veränderungen u. s. w.
s) ».Unters, über die troph. Nerven“, Centralblatt f. allgem. Path. u. p. A. 1894, Xs 12.
3) Siehe meine Schrift: Zur Pathogenese der Blutergiessung. Med. Rundschau. 1896. jY« 16. lüe^HUHHCKoe 06o3pAHie. Russieh.
*) Archives italienes de Biolog. 1895. B. XXIV.