﻿GRUNDFRAGEN DER ANATOMIE UND PHYSIOLOGIE DES NERVUS VAGUS
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weist dies durch Versuche ausschliesslich an Hunden, indem er diesen das obere Halsganglion und das erste Brustganglion des N. sympathicus aus-reisst, in Folge dessen in den Lungen dieselben Veränderungen wahrgenommen werden wie bei der doppelten Vagotomie. Da bei dieser Extirpation der Ganglien der Vagus keine Verletzung erlitt, so folgt daraus, dass die beschriebene Erkrankung der Lungen von der Verletzung des N. sympathicus herrührte. Dabei lässt jedoch, meiner Ansicht nach. Bentivegna ganz ausser Acht, dass die Extirpation der zwei Ganglien mit der Resection des Grenzstranges am Halse nicht gleichwertig ist: es is aber gerade der Grenzstrang, der bei dem Hunde bei der Vagotomie durchschnitten wird, während die Ganglien bei dieser Operation (d. h. Vagotomie) unberührt bleiben. Zugleich lassen Bentive-gna's Versuche die Erkrankungen der Lungen bei Kaninchen unerklärt; obgleich bei diesen Tieren der Sympathicus vom Vagus getrennt ist und bei der \ agotomie nicht leidet, tritt Pneumonie dennoch, folglich auch bei unverletztem Sympathicus. ein. so dass auch diese Versuche wenig zu Gunsten der neuropa-ralytischen Hypothese sprechen. Dieser letzteren widersprechen auch noch viele directe Beobachtungen * *). welche darauf hindeuten, dass der Vagus keine Va-somotore für che Lungen enthält. Angesichts aller dieser Thatsachen wird man durch Ausschliessung unwillkürlich auf den Gedanken geleitet, dass die Resection des A agus auf das Lungengewebe einen trophischen Einfluss ausübt. Von diesem Gesichtspunkte aus wäre es nicht uninteressant zu ermitteln, was nach der Vagotomie mit dem elastischen Gewebe der Lunge vorgeht: ob dasselbe irgend welche Veränderungen erleidet oder nicht und. wenn ersteres der Fall ist. welcher Art. Dies ist auch noch deshalb von Wichtigkeit, weil die Elastizität eine der charakteristischen Eigenschaften des Lungengewebes ist und nach der Vagotomie manche Forscher volumen pulmonum auctum beobachtet haben. Doch kann letzteres auch von einer Lähmung der in den Lungen und den Bronchien enthaltenen glatten Muskeln abhängig gewesen sein. Ich muss hier bemerken, dass auf Grund von Dr. "Woronin's _) Untersuchungen die anfängliche Erscheinung des Entzündungsprocesses (der entzündlichen Reaction), d. h. die inflammatorische Erweiterung der Capillaren. eine Folge der Verminderung der Elasti-eität der sie unterstützenden Gewebe sein müsste. Das Studium der Veränderungen im elastischen Gewebe unter dem Einfluss der Resection des F agus wäre somit von hohem Interesse bezüglich der Frage über die Pathogenese der Vagus - Pneumonie. Ich will mich bei dem allgemein bekannten Einfluss des Vagus auf die Verlangsamung der Herzbewegungen nicht aufhalten und nur noch der fettigen Entartung des Herzmuskels nach der Resection der beiden Vagi erwähnen. Ob diese Degeneratio adiposa cordis aber auch schon nach Durchschneidung nur des einen Vagus vor sich geht, ist eine bis jetzt wenig untersuchte Frage. Bei meinen Versuchen mit einseitiger Resection habe ich Degeneration des Herzmuskels in keinem Falle beobachtet,
Es ist jetzt am Platze noch eines sehr interessanten centripetalleitenden Nerven, der, vom Herzen ausgehend, sich dem Vagus einverleibt, zu erwähnen:
') Alexandroff, Dissertation über Lungenödem, Moskau, 1892.
*) Woronin, Untersuchungen über die Entzündung. Dissertation. Moskau, 1896, Ss. 33 und 123.