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LEBER DAS CH YM OS IX FE R MENT.
Für meine Untersuchungen habe ich nur Säugethiere gebraucht. Schon früher gelang es mir durch meine Experimente mit den Extracten verschiedener Organe nachzuweisen, dass die Extracte der Magen- und Dünndarmchleim-haut, so wie der Pancreassaft Chymosin enthalten, dass durch sie Peptone in Eiweissanhydrite übergehen und dass sie das Eiweiss zum Gerinnen bringen.
Durch meine letzten Untersuchungen habe ich konstatirt, dass diese beiden Reactionen ceteris paribus ausgeführt sich vollständig identisch zeigen in den Probiergläschen sowohl, wie in dem Darmkanale der Thiere, die kurz vorher getödtet und deren Schleimhaut gereinigt worden war, wo auch die Anwesenheit des Chymosins durch eine Probe auf Milch konstatirt wurde. Diese Untersuchungen erlaubten gleichzeitig eine sehr starke fermentative Wirkung der follikulären Elemente des Darmkanals zu konstatiren. Fast identische Resultate erhielt ich, als ich auf die von einem Thiere erhaltenen Albumosen und Peptone mit einen Extrakte der Darmkanalschleimhaut eines anderen Thieres wirkte, das vorher gefüttert und unmittelbar vor dem Experimente getödtet worden war. Bei diesen Experimenten war das Chymosinferment vorher konstatirt worden.
Die Producte^ die ich in allen diesen Untersuchungen von den Thie-ren erhielt, waren meistens identisch mit den Producten, die ich aus den Peptonen durch künstliche Verdauung erhalten habe, und gaben mir das Recht zu behaupten, dass das Chymosinferment auf die Verdau ungspro-ducte in dem Darmkanale eigenartig wirkt, und dass diese Wirkung nur auf einer bestimmten Stufe der Peptonisirung und des Tryptonisirungsprocesses stattfindet, ln meiner oben erwähnten Arbeit habe ich diesen Process Albuminisirungsprocess genannt. Meine jetzigen Untersuchungen über die chemische Natur dieses Eiweisses haben mich überzeugt, dass dieser Name kein entsprechender ist. da diese Pro-ducte, die ich im Laboratorium erhalten habe, Eiweisse sui generis darstellen. Die Chymosin- Reaction hängt im höchsten Grade von der Art der Vorbereitung des Peptons ab, nämlich der Verdauungsprocess muss im bestimmten Momente unterbrochen werden. Sie hängt ferner von der Quantität der Salzsäure während des Verdauungprocesses, von der sauren Reaction der Peptonlösung, von der Temperatur (40°) und von noch zu bestimmenden äusseren Bedingungen ab.
Die Peptone wurden durch Dyalise gereinigt und als Niederschläge mittels Alkohol erhalten. Der Fermentextract enthält 0,2% Eiweiss und zwei bis fünf Procent Kochsalz.