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ZUR FRAGE VOX DER ALKOHOLISCHEN GAEHRUNG.
auch in den pflanzlichen Bewegungszellen (die sogenannten pulvinus bei mimosa pudica, oxalis corniculata und s. w.) einhergeht, betont. Wenn man die Arbeit von Dr. Warner liesst, so kommen einem unwihkührlich Fälle von verstärkter Beweglichkeit in den Sinn, welche sich hei erwachsenen Personen gleichzeitig mit einer vergrösserten Reizbarkeit unter dem Einflüsse von verschiedenen erschöpfenden Momenten entwickeln. Es versteht sich von selbst, dass alle solche erschöpfende Momente gleichzeitig auch eine mehr oder minder bedeutende Hvdraemie schaffen ').
Wenn wir in der Gährung nur eine Bewegung sehen, so wird cs uns ganz begreiflich erscheinen, dass verschiedene niedere organische Formen je nach dem Charakter des sie umgebenden Ernährungsmediums, bald das Ferment einer Art, bald einer anderen hervorbringen können, wie es z. B. durch Dr. Julius Wortmann *) in Betreff der Bakterien bewiesen worden ist. In seinen Versuchen erzeugten die Bactérien ein diastatisches Ferment jedesmal, wenn dieselben nur aus der Stärke ihren kohlenstoffhaltigen Vorrath erhalten konnten, während dieselben Bactérien in Gegenwart von Eiweiss, wie bekannt, ein peptonisirendes Ferment liefern. Zu gleicher Zeit hat Fr. Rauschenbach * * 3) gezeigt, dass Hefezellen der alkoholischen Gährung bei gewöhnlichen Verhältnissen nicht die geringsten Spuren von Fibrin-Ferment enthalten; aber man braucht nur die Hefezellen in ein in der Kälte durchfiltrirtes Blutplasma zu versenken, um eine sofortige Bildung von Fibrin-Ferment in den Hefezellen hervorzurufen und in Folge dessen eine ausgesprochene Beschleunigung der Coagulation zu erhalten.
Uebrigens, auch das alltägliche Leben kann uns solche Thatsachen, die einen direkten Zusammenhang der Gährungprocesse mit einer Bewegung beweisen, liefern; so z. B. ist es bekannt, dass das Bombardiren sowohl, wie auch ein heftiges Donnern, die Gerinnung einer ganz irischen Milch und eine grosse Verstärkung der vor sich gehenden alkoholischen Gährung verursachen, so dass in Folge dessen die mit gährenden Getränken gefüllte Flaschen (Ivwas, Bier, Cidre und s. w.) den Anprall der sich stürmisch entwickelnden Kohlensäure nicht aushalten können und entweder entkorkt werden, oder selbst zerspringen.
Jedenfalls muss man nicht vergessen, dass mit der Frage über die Gährung recht viele wichtige Fragen verbunden sind und desshalb müssen wir das Erscheinen der Buchner'schen Arbeit bewillkommen, denn dieselbe beweist uns, dass die allgemeine Mode auf die Pasteur sehe Lehre von der absoluten Nothwendigkeit der lebenden Hefezelle für das Zustandekommen einer alkoholischen Gährung sich ihrem Ende nähert, und dass die Frage über die eigentliche Rolle der Hefezellen sich bald einer neuen vielseitigen und unparteiischen Untersuchung erfreuen wird zum Nutzen der V ahrheit und der Wissenschaft.
St. Petersburg.
1898.
*) Marie v. Manasseïn, Woienno-Medicinsky Journal. Bd. CXLÎII.
-) Zeitschrift tür physiologische Chemie, 1882, Bd. VI.
3i Friedrich Bauscheribach, Ueber die Wechselbeziehungen zwischen dem Protoplasma, dem Blutserum und den Bizozerischen Blutplättchen. 1882. Diss.