﻿HEBER DIE GENETISCHE BEZIEHUNG ZWISCHEN AMÏTOSE U. MITOSE.
139
Das langgestreckte Elastomer giebt offenbar das Bild eines Stadiums des Tochtersterns. Die schwach bezeichneten Strahlungen des netzförmig—faserigen Protoplasma sind besser an den nächstfolgenden Schnitten desselben Elastomers zu sehen. Zwischen zwei Chromatin-Tochterfiguren zieht sich das breite Bündel der Centralspindel (nach Hermann’s Terminologie), die inmitten der sie umgebenden plasmatischen Masse scharf hervortritt. Die Chromosoma der Tochterzellen erscheinen bald als schwach gefärbte Bläschen ähnlich den bei der directen Teilung beschriebenen, bald als scharf mit nucleären Farben tingirte kugelförmige oder ovale Körperchen, bald als typische Chromosoma. Viele der hellen Bläschen enthalten hier kleine, sich gleich dem Chromatin färbende Körnchen. Solche Eigentümlichkeiten bei der Teilung wurden schon früher nicht nur an Eiern von Knochenfischen, sondern auch denjenigen anderer Tiere beobachtet. Dabei wurden die schwach tingirbaren Bläschen von einigen Histologen als eine besondere Form von Chromosomen betrachtet. Es ist auch die Meinung ausgesprochen worden, dass diese Bläschen nichts anderes als durch unpassende Behandlung mit Reagentien veränderte Chromosomen sind. Dies ist jedoch schwerlich der Fall, daneben diesen Bläschen typische Chromosomen verkommen. Ausserdem fragt es sich, warum solch ein künstliches, von unpassender Behandlung abhängiges Product in den sich teilenden Eiern in überwiegender Anzahl zu treffen sein sollte? Dieser Umstand leitet eher auf den Gedanken, dass dies eine Eigentümlichkeit der Embryonalzellen, im gegebenen Fall der Elastomere der Knochenfische, vorsteilt.
Wenn man nun das Bild dieser Zeichnung einerseits mit den oben beschriebenen Eigentümlichkeiten, andererseits mit der Bildern von typischer Karyokinese im Verbindung bringt, so ist man geneigt diese Bläschen für phylogenetische Urformen des Chromosoms anzusehen. Je nach der Menge der in denselben enthaltenen Chromatinkörner erscheinen sie als schwach tingirbare helle Bläschen oder als scharf mit nucleären Farben gefärbte Ovale oder Kügelchen, oder endlich als typische Chromosomen. Bataillon und Kodier '), sowie Beinhanl 2) weisen auf einen solchen bläschenartigen Zustand der Kerne in den sich furchenden Eiern der Knochenfische hin, obgleich sie augenscheinlich diese Bläschen nicht für Chromosoma halten. Dafür sind aber diese Autoren der Ansicht, dass die im Kern befindlichen Körnchen ihren Ursprung ausser dem Kern nehmen; aus diesen Grunde würde, ihrer Meinung nach, der Kern in seinen frühen Teilungsstadien kein Chromatin enthalten, welches schon später, nachdem es in Gestalt von Körnchen gleichmässig im Zellplasma
Fig. 13.
4) Observations sur les phénomènes karyokinetiques dans les cellules du blastoderme des Téléostiens (Comptes-rendus hebdomadaires de l’Académie des Sciences. T. CXVII, NI 16 (Octobre) 1893. Paris.
-) „Zur Frage über die amitotische Teilung der Zellen“. Biolog..Centralblatt, Bd. XVI.
9