﻿ZUR LEHRE VOX DEN STOMATA DER SERÖSEN HÖHLEN.
153
tung einlialten, wohingegen die Gefässe der pleuralen Seite von grösserem Caliber sind, ein Netz mit weiteren Maschen bilden und im Allgemeinen ringförmig geordnet sind. Beide Systeme sind durch Gefässe von verschiedenem Caliber, welche senkrecht zu den Muskelfasern des Zwerchfells hinziehen, mit einander verbunden. In den Einzelheiten weist eine jede Tierart Abweichungen von diesem Schema auf, so dass das Kaninchen auch nur einen Einzellall, zugleich aller ein höchst typisches Beispiel von starker Entwicklung der Lympli-gefässe darbietet.
Das Endothel, welches die peritoneale Seite des Zwerchfelles bekleidet, kennzeichnet sich vor dem gleichmässig grosszeiligen Endothel der pleuralen Seite durch scharf ausgeprägte Grössenunterschiede seiner Zellen. Die kleinen, von Kolossow <feine protoplasmatische> genannten Zellen bekleiden die oberflächlichen Lymphgefässe.
Bei dem Kaninchen sieht man deutlich, dass diese Zellen desto kleiner werden, je näher der Oberfläche das Gefäss liegt. Die kleinsten davon befinden sich oberhalb der Stellen, wo die Seitenäste und Säcke von deu oberflächlichen Lymphgefässen abgehen, und fügen sich dort zu Gruppen.^ dabei mit der allgemeinen Endothelhülle der Bauchhöhle ein untrennbares Ganzes bildend. An dieser Stelle stösst das Endothel der peripherischen Wand der. oberflächlichen Lymphgefässe unmittelbar an das Endothel der Bauchhöhle. Folglich sind die Bildungen, die Ranvier für Brunnen hält, andere Forscher für Bildungsstätten neuer Zellen ansahen, nichts anderes als Stellen in der Peritonealhöhle. wo diese von dem Lumen der Lymphgefässe durch eine Wand getrennt ist, die hier am allerdünnsten, ungefähr 2 y. stark ist und nur aus zwei Schichten von Endothelzellen, dem peritonealen Endothel einerseits und dem Endothel der Lymphgefässe andererseits, besteht. Was das Vorhandensein von präformirten Oeffnungen betrifft, so bin ich darüber zu einem negativen Schlüsse gelangt, da die fakultativen Veränderungen der intercellulären Spalten, die von der Zusammenziehung der Endothelzellen bei der oben beschriebenen Beziehung der Lymphgefässe zu der Bauchhöhle abhängeu, das Eindringen von feinverteilten Substanzen in das Lymphsystem zur Genüge erklären.
Obgleich meine Beobachtungen in dieser Richtung noch nicht die gewünschte Vollständigkeit besitzen, so glaube ich doch auf Grund des von mir bisher Wahrgenommenen schon das Recht zu haben obigen Satz aufzustellen.
Die weitverbreitete Meinung, dass die Absorption nur im Centrum tendi-ueum stattfindet, gründet sich auf die Verallgemeinerung eines Einzelfalles, da alle Forscher ausschliesslich mit Zwerchfellen von Kaninchen gearbeitet haben. Meinen Beobachtungen nach erscheint als notwendige Bedingung der Absorption das Aneinanderhegen, an irgend einer Stelle, des Endothels der V and eines Lymphgefässes und des Endothels des Bauchfelles. Diese Stellen sind mit den kleinen Zellen des peritonealen Endothels bekleidet. Somit wären diese Stellen präformirt, aber nicht in dem früheren Sinne dieses Wortes; denn die Oeffnungen erscheinen an denselben nur facultativ, in Gestalt von Erweiterungen der intercellulären Spalten, in Abhängigkeit von der Zusammenziehung des Protoplasma der Zellen, folglich nicht als eine einzige Oeffnung, wie man bis jetzt geglaubt hat, sondern als netzförmiges System von Spalten. Bei dem