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MIKROSCOPISCHE UNTERSUCHUNGEN.
«H. "Weber9) hat gefunden, dass man an der Schwimmhaut eines fest ligirten oder sogar amputirten Froschschenkels durch locale Reize noch eine Congestion zu erzeugen vermag».
Ryneck10), (ein Schüler Rollet’s), der die Versuche H. Weber's9) wiederholt und in einem wichtigen Stücke aufgeklärt hat, schildert den Hergang wie folgt.
<Legt man um das Hinterbein eines Frosches gleich über dem Knie ein Band und schnürt dieses fest zu, so wird die Bewegung des Blutes in den Gefässen der Schwimmhaut bald unregelmässig; sie wird oscillirend und hört endlich vollständig auf. Betupft man nun die Schwimmhaut mit Ammoniak, so bewegt sich das Blut von verschiedenen Seiten gegen die geätzte Stelle hin. Bald wird die Bewegung in den Capillaren der geätzten Stelle träger, die Blutkörperchen häufen sich in denselben an, und bald füllen sie jene Gefässe, dichtgedrängt liegend, vollständig aus, so dass die Gefässe das Ansehen gleich-mässig rothgefärbter Schnüre erhalten».
Ryneck hat10) des weiteren dargethan, dass die Froschblutkörperchen bei dem Phänomen nur eine passive Rolle spielen. Wenn er das Froschblut (in geeigneter Weise) durch Milch oder durch defibrinirtes Ochsenblut ersetzte, resp. diese Flüssigkeiten durch die Blutgefässe strömen liess, und dann einen Tropfen Ammoniak auf die Schwimmhaut brachte, so traten dennoch die analogen Erscheinungen ein. Die Congestionen blieben aber aus, wenn die Gefässe vorher durch geeignete Injection oder durch Wärmestarre abgetödtet worden waren.
Auch Vulpian1) hat diesbezüglich einen sehr lehrreichen Versuch angestellt. Er hat auf die area vasculosa eines Hühnerembryos eiuen Tropfen Nicotin gebracht. Nach einiger Zeit machte sich daselbst eine solche Congestion geltend, dass (in einigen Fällen) der Rest des Circulations—Apparats fast blutleer wurde.
<Wenn auch in dem zuletzt genannten Falle», sagt Stricker5), «nur die Vermuthung nahe gelegt wird, dass es sich dabei um ein Ansaugen des Blutes durch die Gefässe handle, so bleibt diese Annahme für das Experiment Ryneck's die einzig mögliche... Und die allein zulässige Deutung (solchen Ansaugens) wäre eben die, dass sich die Gefässe auf den Reiz hin activ erweitern und in Folge dessen Blut ansaugen müssen». Jedenfalls, meint Stricker'7), kann man die Hyperämie in den Versuchen von Weber0) und Ryneck10) durch Lähmung der Ringmuskeln der kleinen Arterien und durch passive Erweiterung der Capillaren vom stärkeren Blutandrang nicht erklären: denn in diesen Experimenten «wurde über eine Gefässerweiterung an einer Extremität berichtet, die aus dem Kreislauf ausgeschaltet, in der gar keine Blutbewegung vorhanden war».
«Wir werden daher», fährt Stricker0) fort, «gut thun, uns dieser Hypothese nicht blindlings hinzugeben und immerhin auch den anderen Fall im Auge zu behalten, dass nämlich die kleinen Arterien und Capillaren denn doch eine Einrichtung besitzen könnten, durch welche sie sich activ erweitern. Dass wir diese Einrichtung nicht kennen, kann nur als ein schwaches Gegenargument angesehen werden. Wie lange hat es doch gebraucht, bis man die Ringmuskelfasern der Arterien kennen gelernt hat, und wie heftig wurde vor dieser Erkenntniss darüber gestritten, ob sich die Arterien auch wirklich zu