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M1KR0SC0PISCHE UNTERSUCHUNGEN.
waren. Daher änderte ich noch einmal meine Versuche. Ich schnitt dass Herz aus, als die Zunge noch im Munde des Frosches war. und erst dann, als die Blutausströmung aus den zerschnitten Gefässenen aufgehört hatte, zog ich die Zunge heraus und streckte sie zur mikroskopischen Untersuchung über die Dehnung des Sectionsbettes. Die Zunge erschien beinahe blutlos und nicht so durchsichtig wie gewöhnlich, so dass dadurch die mikroskopische Untersuchung sehr gestört wurde; die Capillar en waren beinahe gar nicht zu bemerken. Aber auch unter diesen Umständen des Experimentes bemerkte ich während einiger Versuche, dass unter dem Einflüsse der Faradisation des nervi glos-sopharyngei die Blutbewegung die Richtung aus den grösseren Gefässen nach den Capillaren hin nahm. Solch eine centrofugale Bewegung des Blutes in den Gefässen, in welchen der Blutdruck durch die oben beschriebene Weise auf Null gebracht wurde, kann nur dadurch erklärt werden, dass die kleinsten Arterien, die Capillaren und vielleicht auch die Venen wurzeln unter dem Einflüsse der Reizung der Vasodilatatoren sich activ erweitern und das Blut aus den nächsthegenden Arterien und Venen einsaugen.
Es ist bemerkenswert!!, dass Frey’s11) und meine Versuche den oben beschriebenen Experimenten Weber’s9) und Ryneck’s1 °), auf Grund derer Stricker,;) seine Hypothese der activen Erweiterung der kleinsten Arterien und Capillaren gebaut hat, völlig analog sind. Durch solch eine active Erweiterung der kleinsten Blutgefässe kann man auch erklären, dass man manchmal (in den seltensten Fällen) bei der Reizung der Vasodilatatoren nach der Abklemmung der Aorta eine Blutbewegung aus den Capillaren in die feinsten Arterien beobachtet. Ich habe zwei solche Fälle gesellen. In beiden Fällen trat aus einem grossen Arterienstamme eine kleine Arteriole aus und zertheilte sich sogleich in Capillaren. Bei der Reizung des n. glossopharyngei bot sich folgendes Bild dar: das Blut in der grossen Arterie bewegte sich vom Centrum nach der Peripherie (inan muss nicht vergessen, dass die Aorta abgeklemmt war), während in der kleinen Arterie die Blutbewegung in entgegengesetzter Richtung — von der Peripherie nach dem Centrum hin—ging (aus den Capillaren in die Arteriole). Das beschriebene Factum, welches eine Ausnahme von der allgemeinen Regel ist, nach welcher bei den oben beschriebenen Bedingungen die Blutbewegung immer aus den kleinen Arterien in die Capillaren beobachtet wurde, kann man meiner Meinung nach, zur Genüge auf folgende Weise erklären. Die grosse Arterie zerfiel in ein viel grösseres Netz von Capillaren als die kleine Arteriole, die von jener stammte. Daher war die einsaugende Kraft der sich activ erweiternden kleinsten Blutgefässe des Netzes der grossen Arterie bedeutend grösser und übertraf die einsaugende Kralt der Haargefässe, in welche sich die kleine Arteriole zertheilte. Das ist es, warum in beiden angeführten Fällen durch die Reizung der Vasodilatatoren nach der Abklemmung der Aorta in der grossen Arterie centrifugale Blutbewegung und in dem kleinen, von ihr herstammenden Zweige centropetale Blutbewegung hervorgebracht wurde.
Meine Versuche mit der Reizung des n. glossopharyngeus an der ausgeschnittenen Zunge und, bei den Fröschen, nach der Entfernung des Herzens machen wenigstens die Annahme wahrscheinlich, dass die Erweiterung der kleinsten Blutgefässe, die man bei der Reizung der Vasodilatatoren wahrnimmt, ein