﻿MIKROSCOPISCHE UNTERSUCHUNGEN.
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actives und kein passives Phänomen ist. Einiges Bedenken lässt blos der Umstand nach, dass das oben geschilderte Phänomen in meinen Experimenten mit der Faradisirung der gefässerweiternden Nerven der ausgeschnittenen Zunge nicht in jedem Versuche stattfand; vielleicht liegt die Ursache des Miss-lingens dieser Versuche darin, dass die kleinsten Gefässe der herausgeschnittenen Zunge nach der Herausschneidung manchmal zu schnell absterben und zu reagir en aufhören.
Ich muss hier zugeben, dass schon Schiff* in seinem Lehrbuche <Leçons sur la physiologie de la digestion» *) sagt, er glaube beobachtet zu haben, dass auch die Capillaren an der activen Erweiterung der Blutgefässe, die durch die Reizung der Vasodilatatoren hervorgerufen wird, Theil nehmen.
Die oben angeführten Facta stimmen mit der bisher herrschenden Annahme, nach welcher die Capillaren nur eine passive Rolle bei der Blutströmung spielen, nicht völlig überein. Ich muss aber daran erinnern, das solche hervorragende Forscher der Capillar-Blutcirculation wie Samuel 13) und Stricker6) dringend auf die Grundlosigkeit solcher Meinung hindeuten. Nur waren bisher keine Facta gegeben, die darauf hingewiesen hätten, dass das Lumen der Capillaren durch Nerven beeinflusst wird.
Die Frage, ob die Capillaren mit Nerven versehen sind, ist vom hystolo-gischen Gesichtspuncte aus positiv entschieden: Tomsa14), Kessel **), Bremer ***), Waldeyer**) u. a. haben festgestellt, dass im Endothelium der Capillaren Nerven-fibrillen endigen. Künftige Untersuchungen müssen entscheiden, ob die Nervenfasern, mit denen die Capillargefässe versehen sind, die Endigungen der gefässer-weiternnden Nerven vorstellen. Was den Mechanismus der activen Erweiterung der kleinsten Blutgefässe betrifft, so giebt es bis jetzt darüber zu wenig That-sachen, um denselben hinlänglich erklären zu können.
*) Bd. I, S. 215. **) Citirt nach Vulpian*). ***) Citirt nach Waldeyer*5).
Litterarisches Verzeichniss:
*) Vulpian. Leçons sur l’appareil vasomoteur. An. 1875. -) Neisser. Verhandlungen der deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Erster Congress. Juni 1899. 5) Strübing. Ueber acutes (angioneu-rotisches) Oedem. Zeitschrift für klinische Medicin. J. 1885. Bd. 9, S. 381. 4) v. Stein. Von der neuen Form des chronischen Nasencatarrhes (Coriza vasodilatatoria chronica) Piatigorsk. 1889. a) Brown-Séquard. Leçons sur les nerfs vasomoteurs. 1860. Traduction française par Beni-Barde. A. 1S72. ') Stricker. Vorlesungen über allgemeine und experimentelle Pathologie. Wien. 1883. 7) Bouchard. Traité de Pathologie Générale, Tome II. 8) Schilf. Leçons sur la Physiologie de la digestion. 1867. s) Weber. Experimente über die Stase an der Froschschwimmhaut. Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medicin. Jahrgang 1852. i0) Byneck. Zur Kenntniss der Stase des Blutes in den Gefässen entzündeter Theile. Untersuchungen aus dem Institut für Physiologie und Hystologie in Graz. Herausg. von Al. Rollet. “) Frey. Ueber die Wirkungsweise der erschlaffenden Gefässnerven. Arbeiten aus dem physiolog. Institut zu Leipzig. J. 1876. *2) Lépine. Ueber die Entstehung und Verbreitung des thierischen Zuckerfermentes. Arbeiten aus dem physiolog. Institut zu Leipzig. J. 1870. *3) Samuel. Entzündung. Ergebnisse der allgemeinen pathologischen Morphologie und Physiologie des Menschen und der Thiere. Herausgegeben von Ostertag-Lubarsch. J. 1886. ,4) Tomsa. Nerven der Blutgefässcapillaren. Vorläufige Mittheilung. Centralblatt für die medicinischen Wissenschaften J. 1869. Jahrgang. 7. *5) Landois. Lehrbuch der Physiologie des Menschen. J. 1885.