﻿Zur Physiologie der Schnecke.
Yon I. Setschenow,
Professor der Physiologie an d. K. Universität zu Moskau.
Die unserem Ohre eigene Klanganalyse, d. h. die Zerlegung des Klanges in einfache Töne, wird bekanntlich seit den unsterl liehen Arbeiten des grossen Physiologen Helmholtz in das Corti’sche Organ verlegt, und zwar in dessen Teile, welche des Mitschwingens fähig sind und ihre Schwingungen auf die Enden des N. cohlearis übertragen können. Als solche Teile betrachtet man hypothetisch nach Hens en die Saiten der membrana basilaris mit den darauf sitzenden Cor tischen (und D ei t er s'schen) Zellen und setzt eo ipso voraus, dass jedes einzelne einem gewissen Ton entsprechende Element dieser Structur sinusartig zu scliwingeu vermag. Logisch ist die letzte Voraussetzung unvermeidlich, physikalisch bleibt sie hingegen einstweilen fraglich, da das Element, seiner Configuration nach, einer sinusartigen Schwingung kaum fähig sein kann. Nicht minder rätselhaft ist ferner das Verhältnis der membrana tectoria zu den Haarzeller—ist dieselbe mit den Stäbchen verwachsen oder nicht; und welches ist der Grund, dass die Stäbchen an der oberen Zellenoberfläche halbkreisförmig angeordnet sind?
Ein von mir aus Glas verfertigtes Modell soll zur Erläuterung einiger dieser Verhältnisse dienen. Die Saite der Grundmembran vertritt in demselben der mit einer elektromagnetisohen Vorrichtung versehene Glasdiapuson (A). Jenseits der Befestigungsstelle seines Stieles (a) ist der letztere entweder in der Schwingungsebene der Zinken oder senkrecht zu derselben nach oben gebogen und endet in eine bimförmige Erweiterung, an deren obere etwas abgefläche Oberfläche fünf gleich lange Glasröhrchen und zwar concentrisch mit dem Pwande der Oberfläche, angelötet sind. Diese Erweiterung simulirt die Haarzelle mit ihren Stäbchen.
Es ist kaum nötig zu sagen, dass man von einem solchen System keine so reinen Klänge wie von dem Diapasen ohne Binne erhalten kann. Wird hingegen die Zelle, bei schwachen Schwingungen des Systems, mehr oder weniger belastet, so werden die Schwingungen regelmässiger und es erlöschen aus dem Klange die den Grundton begleitenden disharmonischen Nebentöne. Ein einfaches Auflegen einer Korkplattte auf die Stäbchen der Zelle oder das Ankleben eines Uhrgläschens an dieselben ist manchmal schon genügend, um den Klang rein zu machen. Genügt dieses nicht, so gelangt man durch vorsichtiges Eingiessen von Quecksilber in die Schale sicher zum Ziele, wenn zudem die Stromstärke und der Abstand des Elektromagneten von dem Diapason gehörig abgeändert werden. Auf diese Weise lassen sich überhaupt die Klänge des Systems soweit ^reinigen, dass sie dem Ohre wie einfache Töne erscheinen. Die