﻿UEBER DEN EINFLUSS DER VERSCHIEDENEN STRAHLEN.
247
ter dem violetten Glase befindlichen um 4 Tage früher herausgeschlüpft.— Nachdem ich hiemit eine kurze historische Uebersicht über den Zustand der Frage von dem Einflüsse der verschiedenen Strahlen des Spectrums auf die Entwicklung und die Färbung des tierischen Organismus gegeben, gehe ich zu meinen Versuchen in dieser Richtung über.
Zu den Experimenten, die ich im Sommer 1898 im Kiew’schen Gouvernement unweit der Stadt Lipo wetz ausführte, bediente ich mich der Eier des Schmetterlings Vieris rapae. Die frische Brut brachte ich in würfelförmige Pappschachteln (14%—15 Ctm. hoch), die mit einer das Licht nicht durchlassenden Ventilationsröhre besonderer Konstruktion versehen waren. An der einen Seite der Schachteln wurde die Wandung durch Lichtfilter mit flachen parallelen Gläsern ersetzt.
Um die verschieden Strahlen des Spectrums zu erhalten verfuhr ich folgendermaassen:
Grüne Strahlen: es wurden zwei Lösungen bereitet, welche parallel gestellt sehr reine grüne Strahlen gaben, obgleich auch eine unbedeutende Menge anderer durchliessen.
1-	ste Lösung: 60 Gewichtsmenge CuCli-+-2HiO auf 100 H,0 in einer ' Schicht von 20 Mm. Stärke.
2-	te Lösung: 10 Gewichtsteile K, CrO, auf 100 11, 0. Stärke der Schicht 20 Mm.
Bote Strahlen: zu einer 15—procentigen warmen Lösung von Gelatine wurde eine gesättigte wässerige Fuchsinlösung und */3 des Volumens Glycerin gefügt. Die Stärke der Schicht = 20 Mm. Man erhält fast ganz reine rote Strahlen.
Violette Strahlen: es wurden von dem im Handel befindlichen Glase zwei solche Stücke gewählt, die beim Aufeinanderlegen ziemlich reine violette Strahlen lieferten, obgleich sie auch eine geringe Menge roter durchliessen. Mit orangefarbenen, gelben und blauen Strahlen habe ich nicht experimentiert. Die obenbeschriebenen Methoden prüfte ich mittels eines Spectroscops im physiologischen Institut der moskauer Universität.— Die Schachteln wurden in zerstreutem Licht gehalten, um den Einfluss der Temperatur zu vermeiden; wenigstens zeigte ein Thermometer C. keinen Unterschied, weder an den verschieden Schachteln, noch auch zwischen der Temperatur derselben und derjenigen des Zimmers. Ausserdem wurde ein Teil der Brut zum Vergleich in ein Gefäss von weissem, durchsichtigem Glase gebracht und dasselbe gewöhnlichem Sonnenlicht ausgesetzt. Ein grosser Procentsatz der Eier blieb ganz unentwickelt, doch messe ich diesem Umstande keine Bedeutung bei und zwar aus folgenden Gründen: erstens gehen auch bei normaler Enwicklungsweise viele Eier zu Grunde, zweitens konnten einige davon der Befruchtung entgangen sein, drittens konnten sie eine mechanische Verletzung erfahren haben.
Die Larven krochen aus den Eiern fast gleichzeitig hervor, aber nach 4 — 5 Tagen bemerkte ich unter den in den grünen Lichtstrahlen lebenden eine grosse Sterblichkeit. Sie schienen sehr matt, assen wenig und bewegten sich fast gar nicht. Was die Grössenunterschiede bei den Larven betrifft, die sich unter dem Einfluss der verschiedenen Strahlen entwickelt hatten, so konnte