﻿B I B L 1 0 G E A P H I E.
287
Sprungs mit dem pflanzlichen Arginin identisch *), dessen Chlorid nach Schuhe und Steiger [>]n20 =	11,45° (c=8%) hat. Die wässerigen Lösungen von
Argininchlorid sind stark hydrolytich dissociirt, so dass unter der Einwirkung von überschüssiger Salzsäure eine bedeutende Erhöhung des specifischen Dre-hungsvermögens statt hat. Bei dem Gehalt an 7 Molekülen freier Salzsäure auf 1 Molekül Argininchlorid wird [?] constant und -+-21,25° gleich. Unter dem Einfluss von Barythydrat in der Kälte wird das specifische Drehungsvermögen nur wenig herabgesetzt.
Argininnitrat G,IJ\, N, 0.2 . HNO, -+- l/JL 0 krystallisirt in charakteristischen Aggregaten von undurchsichtigen, kreideartigen Scheiben, deren Ränder meistens stark nach innen gebogen sind; diese Scheiben sind durch Drusen von mikroskopischen Nadeln gebildet und haben eine grosse Neigung zum Efflores-cieren. Die genügend concentrirten heissen wässerigen Lösungen von Argininnitrat erstarren bis zum letzten Tropfen zu solchen Aggregaten. Das Salz kann gut aus heissem 85%-igem Alkohol umkrystallisirt werden. Das wasserfreie Salz hat keinen scharfen Schmelzpunkt und schmilzt unter Zersetzung bei etwa 175°. Für G(H^NkOi . HNOa ist 0],)*° = '-*-9,31° (bei c= 10,206%) resp. h~ 10,62° (bei c= 1,789); bei dem Gehalt an 4 Molekülen freier Salpetersäure auf 1 Molekül Salz und bei c=5,452% ist jA]10-*-18,71 gleich.
Saures Argininnitrat G,H^N, 0, . 2HN03 krystallisiert entweder in langen farblosen Nadeln, oder in warzenförmigen durchsichtigen Drusen, oder in stark glänzenden schuppenartigen Massen von mikroskopischen, äussert dünnen,, verlängerten und zugespitzten Täfelchen. Das. Salz schmilzt unter Zersetzung bei 144,5°—145°.
Argininsulfat (CrfiJTu2V4Oä)2 . HiSOi konnte nicht krystallisiert erhalten werden. [a]()î0=-»-8,23 (c = 11,719%); beim Verdünnen mit Wasser wurde, wie auch beim Argininnitrat, eine geringe Zunahme des specifischen Drehungsvermögens constatiert, welches durch überschüssige Säure stark erhöht wird: bei dem Gehalt an etwa 7 Molekülen freier Schwefelsäure auf 1 Molekül Salz und bei c— 2,322% wurde [a],>■0 = 17,440 beobachtet.
Arg in inphosphorwolframat ( (7 If , A74 0,):i. -II, P Oi .24 TT03 = 1077, 0 krystallisiert aus heissem Wasser in sehr kleinen Prismen. Mischt man eine Lösung von einem Argininsalz auf einmal mit einer grösseren Menge von einer concentrirten Lösung von Phosphorwolframsäure, so bildet sich eine ganz schleim artige, fadenziehende Masse, die sich beim anhaltenden Umrühren in einen käsigen Niederschlag umwandelt. In einem grossen Ueberschuss von
’) Früher war der Verfasser der Meinung, dass das thierische Arginin mit dem pflanzlichen nicht identisch, sondern nur isomer ist. Solche Yermuthung wurde dadurch veranlasst, dass Schulze und Steiger in ihrer Abhandlung (1. c.) kein specifisches Drehungsvermögen von Arginisalzen, sondern nur die absolute Ablenkung der Polarisationsebene in Graden angegeben haben. Aus diesen Zahlen hat der Verfasser, wie auch ff. Landolt in seinem bekannten Handbuche: ,,Das optische Drehungsvermögen“: 2 Aufl. Braunschweig. 1898, S. 584, das spec. Drehungsvermögeu für Argininchlorid zu —i— 33,1 °, für Argininnitrat zu -+- 28,75° berechnet. Da aber, wie es E. Schulze brieflich A. Kossel mitgetheilt hat, die von Schulze und Steiger als Grade bezeichnten Zahlen nicht als Kreisgrade, sondern als die unmittelbar abgelesenen Zahlen der Ventzkrsehen Rohrzuckerscala zu verstehen sind, so ist das specifische Drehungsvermögen für pflanzliches Argininchlorid: -+- 11,45° und für das Nitrat: -+- 9,95». Hierdurch fällt der Grund für die Annahme zweier rechtsdrehender Arginine hinweg. (Vgl.; Wl. Gulercitsch. Ztselir. f. pliys. Cb., Bd. 27, S. 368—9).