﻿MESSUNG DER SCHWANKUNGEN DES BLUTDRUCKES.
Dazu braucht man nur eine der Venenwurzeln zu ligiren, in deren peripherisches Ende eine einfache Canüle hineinzuführen und diese mit einem Manometer zu verbinden.
Auf angezeigte Weise hat zum ersten Mal die Schwankungen des Blutdruckes in den Venen schon im Jahre 1866 Lovén2) beobachtet. Lovén hat nämlich gezeigt, dass die Faradisation der nn. erigentium den Blutdruck in dem peripherischen Enden der ligirten venae penis bis zum 0,6 des Seitenblutdruckes in der arteria carotis erhöht *).
Die Schwankungen des Blutdruckes im dem peripherischen Ende der ligirten venae femoralis wurden von Schiff3) und Cohnheim 4j bei der Contrôle des Versuches von Banvier5) über den Einfluss der Durchsclmeidung des n. iscliiadieus und der gleichzeitigen Ligatur der vena femoralis auf die Entstehung des Oedems in dem hinteren Fusse eines Hundes beobachtet. Dabei hat Schiff3) gefunden, dass die Durchschneidung des n. ischiadicus den Blutdruck in dem peripherischen Ende der ligirten vena femoralis bis zu 0,6 des Blutdruckes in der arteria femoralis erhöht.
Aber weder Lovén2) noch Schiff3), noch Cohnheim4) haben darauf Acht gegeben, dass sie auf diese Weise den Blutdruck in den \ enenwurzeln beobachteten. Sie haben auch nicht bemerkt, dass bei der Bestimmung des Blutdruckes in dem peripherischen Ende einer ligirten Vene die Schwankungen des Druckes viel grösser sind als bei der gewöhnlichen Methode der Bestimmung des Seitendruckes in solchen Venen, in welche man eine T—ähnliche Canüle einführen kann (vergleiche die Zeichnung V 2, Tafel 2).
Die Bestimmungen der Schwankungen des Blutdruckes im peripherischen Ende einer ligirten Arterie wurden zum ersten Mal, so viel ich weiss, im Jahre 1895 von François-Franck6) gemacht. Aber auch er gab nicht Acht darauf dass er, indem er die Canüle des Manometers in das peripherische Ende einer ligirten Arterie einführte, die Schwankungen des Blutdruckes in den Arterienanastomosen, oder, im Falle diese nicht vorhanden waren, in den Capiilaranastomosen bestimmte. Auch François-Franckfi) hat die Vorzüge der angezeigten Methode vor der gewöhnlichen Bestimmungsweise der Schwankungen des Blutdruckes mit einer T-ähnlich en Canüle nicht bemerkt.
In demselben Jahre, 1895, entdeckte auch ich dieselbe Methode der Messung der Schwankungen des Blutdruckes in den feinsten Gefässen ganz unabhängig von François-Franck und teilte dieselbe in der Physico-medicinischen Gesellschaft zu Moskau im Frühling 1896, als mir Francois-Francks erwähnte Arbeit noch unbekannt war, mit. Lm wieviel besser die angezeigte Methode der Bestimmungen der durch die Vasomotoren erzeugten Schwankungen des Blutdruckes ist als die gewöhnliche, und wie sehr Dastre und Moratf) Beeilt hatten, als sie behaupteten, dass die Schwankungen des Blutdruckes sich
*) Es ist zu bemerken, dass man die Schwankungen des Blutdruckes in dem peripherischen Ende einer ligirten Venenwurzel nur dann registriren kann, wenn in derselben keine Klappen mehr da sind, deshalb muss man die Canüle möglichst nähe den kapillaren einführen.