﻿MESSUNG DER SCHWANKUNGEN DES BLUTDRUCKES.
O Q
OO
weit mehr iu den feinsten als in den grösseren Gefässen äussern, zeigen folgende kymographische Curven *).
In dem Versuche, welchen wir mit V 1 bezeichnen werden, wurde in die rechte Zungenarterie eines Hundes eine gewöhnliche T—ähnliche Canüle eingeführt und mit einem Quecksilbermanometer verbunden. Die Reizung des peripherischen Abschnittes des nervus lingualis wurde wohl auch bei solcher Beobachtungsmethode des Blutdruckes, aber doch mit kaum bemerkbarer Senkung des Druckes in der Zungenarterie begleitet (Siche die kymographische Curve Versuch JV® 1, Tafel 2). Ein ganz anderes Bild erhielt ich (wie man es an der kymographischen Curve, Versuch «V 2, Tafel 2. sehen kann) als ich die Canüle des Manometers in das peripherische Ende der Zungenarterie einführte, und dadurch die Schwankungen des Blutdruckes nicht in der Nähe der arteria carotis, sondern in den Anastomosen der ligirten arteria lingua-lis mit andern arteriellen Gefässen bestimmte. In unserem Falle wurde die Zungenarterie mit einer arteriellen Anastomose versehen: dies muss man daraus schliessen. dass man. auch nachdem die Arterie ligirt wurde, bei der Bestimmung des Blutdruckes in ihrem peripherischen Ende ganz genaue Puls-und Athemschwankungen constatieren konnte. Gleich nachdem man den peripherischen Abschnitt des entsprechenden nervus lingualis mit dem inducti-ven Strome zu reizen anting, bei der Blutdruck ziemlich schnell, um nach dem Aufhören der Reizung wieder sehr langsam zu seiner früheren Höhe emporzusteigen.
Eine ganz eben so starke Senkung des Blutdruckes in dem peripherischen Ende der ligirten Zungenarterie (vergleiche die kymographische Curve V 3, T. 2) kommt bei der Reizung der gefässerweiternden Nerven auch dann vor, wenn die Anastomosen so klein sind, dass sie weder Puls- noch Athemschwankungen übermitteln.
Auch in den Venen giebt die Messung des Blutdruckes, nach der eben beschriebenen Methode, möglichst nahe den kapillaren viel bessere Resultate als die, welche man nach der gewöhnlichen Methode der Bestimmung des Seitendruckes in solchen grossen Venen, in welche man eine T— ähnliche Canüle einführen kann, erhält: als Bestätigung dessen, was wir eben gesagt haben. kann der folgende Versuch, V 4. dienen.
Der Versuch wurde auf folgende Weise ausgeführt: anfangs wurde bei einem narcotisirten Hunde in die Zungenvene eine T— ähnliche Canüle eingeführt und mit einem Quecksilbermanometer verbunden; da das Kaliber der Vene sehr klein war und da zwischen derselben und den grösseren Venenstämmen sich
*) Alle meine Versuche habe ich an chloroformirten und curaresirten Hunden gemacht: um die Narcose tiefer zu machen, wurde den Thieren vor der Chloroformirung die Injection einer der Grösse des Thieres entsprechenden Quantität 2° o Morphiumlösung gemacht. In allen kymographischen Curven wurde die unterste Linie von einem Zeitanzeiger, und die zweite Linie von unten von der Feder eines Apparates, der den Anfang und das Ende in den Versuch eingeführter Facto-ren registrirte, gezeichnet; die dritte Linie unten bedeutet die Abscisse, Art.—bedeutet Arterie, A —\ eue. ln allen Experimenten zur Pharadisierung benutzte ich der Nerven die Elemente von Grené, in welche vor den Versuchen frische Flüssigkeit eingegossen worden war. In die Kette wurde immer nur ein Element eingeführt; um die Stärke des Stromes grösser oder kleiner zu machen, vergrösserte oder verkleinerte ich den Abstand zwischen den Hollen des Schlitten-Apparats von Dubois-Heymond.