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TUE VITALE H ARN STOFFBILD UN G.
Was den Chemismus des vermuthlichen Ueberganges von Arginin in Harnstoff im Organismus betrifft, so kann das Arginin im Organismus unter Bildung von Guanidin und Ornithin zerfallen. Der im Arginin und im Kreatin sich befindende Guanidinrest geht bei der künstlichen Hydrolyse so leicht in Harnstoff über, dass man wohl annehmen darf, dass das Guanidin auch im Organismus in Harnstoff verwandelt wird. Wenn das ( (mithin als eine Diaminosäure sieh im Betreff der Harnstoffbildung den Monoaminosäuren analog verhält, welche bekanntlich im Organismus in Harnstoff übergehen ')• so kann es als eine ac—Diaminovaleriansäure keinen Harnstoff durch einfache Hydratation liefern; sein Uebergang in den Harnstoff, wie auch der der Mono-aminosäuren, muss wohl durch complicirtcre chemische Processe zu Stande kommen.
Es ist weiterhin denkbar, dass die Eiweisshydrolyse im Organismus nicht nur zur Bildung von Arginin führt, sondern auch dass der Process der vitalen oxydativen Eiweissspaltung überhaupt mit den gleichzeitigen Hydra ta tions-reactionen verknüpft ist. Die Wichtigkeit der Hydratationsprocesse in der chemischen Thätigkeit des Organismus ist so gross und offenbar, dass dieselben auch für den Chemismus der vitalen Eiweissspaltung nicht bedeutungslos sein können. Die Möglichkeit der hydrolytischen Eiweissspaltung im Organismus wird schon durch die Identität von mehreren als Eiweisszerspaltungsproducte zu betrachtetenden Bestandteilen desselben (Harnstoff. Glycocoll, Amidovalerian-säure, Leucin, Tyrosin, Cystin. Ammoniak) mit den Producten der künstlichen hydrolytischen Eiweisszerlegung angedeutet. Wenn Spaltungsprocesse der com-plicirten Bestandteile des Organismus sogar bei Abwesenheit von Oxydationsprocessen statthaben, wie die bekannten Versuche von L Hermann s) und Ci. r. Bunge 3) zeigen, so können hydrolytische Spaltungsprocesse sich bei gleichzeitiger ( )xy dation von Bestandtlieilen des < Organismus desto leichter abspielen. Man dürfte vielleicht annehmen, dass, der successiven Spaltung und Oxydation der Eiweissstoffe bei der Verbrennung analog, auch die vitale Eiweissspaltung mit den hydrolytischen Processen begonnen wird und die mehr oder weniger complicirt zusammengesetzten Producte dieser hydrolytischen Zerlegung dann der (Oxydation unterworfen werden: etwas Sicheres über das qualitative, quantitative und zeitliche Verhältniss der hydrolytischen und der oxydativen Eiweisspaltung im Organismus zu einander lässt sich zur Zeit noch nicht anssagen. Wie die von aussen in den Organismus eingeführten Producte der künstlichen hydrolytischen Eiweisszersetzung (z. B. die Aminosäuren) darin in Harnstoff übergehen, so können bei der eben hingeworfenen Vermuthung auch die Processe der vitalen Eiweisshydrolyse das Material für die Bildung eines gewissen Theiles des Harnstoffs liefern. Somit können vermuthlicli die Processe der hydrolytischen Eiweissspaltung auf verschiedene Weise an der im Organismus statthabenden Harnstoffproduction Theil nehmen.
f) O. Schnitzen und M. Kencki. Zeitsdir. t. Biol., Bd. 8. S. 124.
E. Salkoicski. Zeitsdir. f. physiol. Chem., Bd. 4. S. ÎOO. r. Knieriem. Zeitsohr. t. Biol., Bd. 10. S. 270.
:) Untersuchungen über den Stoffwechsel des Menschen. Berlin. 1807. 8. 62 und 67. q Zeitsdir. f. jdivsiol. C henu, Bd. 8, 8. 4>: Bd. 12, 8. 505; Bd. 14, 8. 318.