﻿DIE VITALE HARNSTOFFBILD ÜNG.
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Die Frage über die Bildung von Harnstoff im Organismus aus Eiweissstoffen durch die Vermittelung von Arginin lässt ihrer Entscheidung schon jetzt näher treten. Zu dem Zwecke muss man erstens entscheiden, ob das vorgebildete Arginin wirklich als ein normaler Bestandtheil des Thierorganismus vorkommt ‘); zweitens sind Versuche über den vermuthlichen Uebergang von Arginin in den Harnstoff im Organismus auszuführen.
Man kann mit ziemlich grosser Wahrscheinlichkeit erwarten, dass das Arginin ein Bestandtheil des Thierorganismus ist, obschon es darin noch nicht aufgefunden wurde. So kann das Arginin in den Organismus z. B. mit der pflanzlichen Nahrung eingefiihrt werden. Bei der 12—resp. 40—tägigen künstlichen Verdauung der Eiweissstoffe durch das Trypsin fand F. Kätscher -) unter den Verdauungsproducten auch Arginin und man dürfte erwarten, dass eine, obgleich geringe. Argininmenge sich auch bei der eine verhältniss-mässig kurze Zeit dauernden, im Darmkanal statthabenden Verdauung bilden kann. Da die in den Organismus der Vögel eingeführten Benzoesäure und Toluol von ihnen als Ornithursäure, d. h. Dibenzoylornithin, ausgeschieden werden l * 3). so muss man nothwendig annehmen, dass wenigstens bei den Vögeln bei der Zerspaltung des Eiweisses ( »mithin ensteht; dann ist aber wohl möglich, dass auch das Guanidinderivat des Ornithins, d. h. das Arginin, im Organismus vorkommt.
Um die Vermuthung von der Möglichkeit der Harnstoffbildung bei der vitalen hydrolytischen Eiweissspaltung durch die Vermittelung des Arginins experimentell zu prüfen, habe ich mit einigen Mitarbeitern gemeinschaftlich eine Reihe von Untersuchungen begonnen und sollen in der folgenden Abhandlung die Resultate mitgetheilt werden, welche hei der Untersuchung der Milz erhalten wurden.
Zum Schluss möchte ich darauf hinweisen. dass man wohl nicht annehmen darf, die gesammte täglich von Organismus producirte Harnstoffmenge entstehe auf einem und demselben Wege. Der Harnstoff kann in allen Geweben und Organen des Organismus (vor Allem aber in der Leber) gebildet werden, deren chemische Functionen sehr verschiedenartig differenzirt sind. Man muss sich deshalb an die Vorstellung gewöhnen, dass man bei der Betrachtung des Chemismus der vitalen Harnstoffbildung keine Theorie ausschliesslich vertreten darf, dass vielmehr mehrere von den zur Zeit bekannten Theorien und Hypothesen über die vitale Harnstoffbildung das Recht gleichzeitiger Existenz haben. Muss doch die allgemeine Mannigfaltigkeit der chemischen Processe des Thierorganismus auch die der Harnstoftbildung miteinschliessen.
l) In den Pflanzen wurde das Arginin von E. Schulze und E. Steiger (Zeitsclir. f. physiol. Chem., Bd. 11, S. 43) bekanntlich schon vor langer Zeit aufgefunden.
:) Zeitsclir. f. physiol. Chem., Bd. 25, S. 105: Bd. 26, S. 110.
3) M. lujfé. Ber. d. deutsch, cbem. Ces., Bd. 10, S. 1025; Bd. 11, S. 406.
H. Meyer. Ibid, Bd. 10, S. 1930.