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Bd allen Kranken fühlte sich die Gebärmutter nach dem Gebrauch von Tinctura lamii albi, bei der bimanuellen Untersuchung, härter an als vor dem Gebrauch derselben.
Ausserdem gab der Gebrauch dieses Mittels (40 Tropfen alle 2 Stunden
in einem -}- Weinglase Wasser) gute Resultate in mehreren Fällen von hä-
morrhoidalen Blutungen mit Ausnahme eines Falles, der chirurgischen Eingriff erforderlich machte.
In 3 Fällen von Blutsturz (bei Tuberculosis pulmonum) hat dieses Mittel günstige Resultate geliefert.
Dii" Zahl der Kranken, denen ich Tinctura lamii albi bei uterinen und anderen Blutungen verordnet habe, ist über 60 gewesen.
Zum Schlüsse halte ich es für eine angenehme Pflicht dem hochgeehrten Herrn Prof. A. Vogt für die mir erteilte Erlaubnis im Institute der Allgemeinen Pathologie arbeiten zu dürfen, sowie meinem hochgeehrten Collegen. Herrn Dr. med. W. Lindemann für seine Mitwirkung bei der Bearbeitung des experimentellen Teils gegenwärtiger Arbeit und der Analyse von zwei der erhaltenen Kurven meinen tiefsten Dank auszusprechen.
Was die literarischen Thatsachen anbetrifft, so habe ich nur Florain's Arbeit ( De la valeur thérapeutique de l’ortie blanche «Lamium album* et de ses propriétés hémostatiques>. Bulletin thérapeutique. 1887) gefunden. Flo-rain verordnete Tinctura lamii albi nach folgendem Recept: Tinctura lamii albi 100 Gr., syropi simplicis 50.0, aqua destillata 25,0. alle halbe Stunde einen Esslöffelvoll bis zum Aufhören der Blutung und darnach 1 Esslöffelvoll alle 4 Stunden. In seiner Schrift erwähnt der Autor einer Kranken, die an starken uterinen Blutungen litt, gegen welche er Ergotin, Tannin, Ferrum sesquichloratum erfolglos angewandt hatte. Florain verlor schon die Hoffnuug auf Genesung der Kranken, als ihr von der Hebamme der ausgepresste Saft von Lamium album verabreicht wurde, woraufhin die Blutungen schon nach einigen Gaben aufhörten. Somit fing Florain ein Jahr später an. dieses Mittel anzuwenden als ich.
Nach SaladiiTs Untersuchungen ist diese Pflanze (Lamium album) reich an Tannin und Acidum gallicum. Florain hat das Alkaloid derselben. <Lamin> genannt, in Gestalt eines weissen amorphen Pulvers erhalten. Dasselbe löst sich in Wasser schwer, in Weingeist, Aether und Chloroform garnirht, aber leicht in Salzsäure. Zu subcutanen Einspritzungen empfiehlt Florain das salzsaure Lamm, welches in ziemlich grossen Dosen (die Grösse derselben ist nicht genau angegeben) die Blutung rasch zum Stillstand bringt, ohne Vergiftung nach sich zu ziehen. Physiologische Untersuchungen hat der Autor nicht angestellt.
Im Jahre 1694 empfahl Zacutus Lusitaniens in seinen Opera omnia » den Saft der weissen Nessel gegen Blutspucken. Sydenham verordnet dasselbe Mittel gegen Abortus und uterine Blutungen. Nach Ménier's Beobachtungen übt Lamium album bei Metrorrhagien keine blutstillende Wirkung aus (Gazette de Gynécologie 15/III 1887).