﻿192
EINIGE BEOBACHTUNGEN ÜBER INTERMIT![RENDE NETZHAUTREIZUNG.
drehung grau aus; bei weiterer Zunahme der Rotationsgeschwindigkeit schwindet das Flimmern des bereits grauen Ringes, dagegen ist der innere Ring zu Anfang der Rotation sehr dunkel und wird also später nicht nur homogen und ruhig, sondern auch heller. Wir sehen hier also, dass das Mischen der einzelnen Theile eines rotirenden Ringes zum endgültigen Grau und das Erreichen eines ruhigen, homogenen Aussehens nicht nothwendig parallel mit einander gehen. Von den beiden Ringen der S c h enck'schen Scheibe, die bei einer bestimmten Umdrehungsgeschwindigkeit einer dem anderen vollständig gleichen, wird der äussere früher grau, der innere früher homogen.
Wenn wir also eine weisse Scheibe vor uns haben, auf welcher ein Ring aus zwei schwarzen und zwei weissen Theilen zu je 90u aufgezeichnet ist. so sieht der Ring bei einer für die vollständige Mischung nicht genügend schnellen Rotation der Scheibe dunkler als das endgültige Grau aus. Dreht man die Scheibe sehr langsam, 2—3 Mal in der Seconde, so sieht der Riug so aus, als hätte man einen fast vollkommen in sich geschlossenen, intensiv schwarzen (nicht weniger intensiv als die auf die Scheibe aufgetragene schwarze Farbe) Ring vor sich. Die beiden 90° breiten schwarzen Theile werden also bei lang-
samer Rotation breiter und berühren sich fast. Wir haben hier also nicht mit einer einfachen Mischung aus Schwarz und Weiss zu thing sondern mit einer complicirteu Erscheinung, in welcher die Hauptbedeutung wahrscheinlich dem positiven schwarzen Bilde auf weissem Grunde zukommt. Kehren wir die Verhältnisse von Schwarz und Weiss um und nehmen wir also eine schwarze Scheibe, auf der ein Ring aus zwei schwarzen und zwei weissen Theilen zu je 90° aufgezeichnet ist, so sieht bei langsamer Drehung der Scheibe der Ring-blendend weiss aus. Dreht man eine Scheibe (Fig. 10), die zwei gleiche Ringe
enthält, von denen aber der innere auf schwarzem Grunde, der äussere auf weissem sich befindet, so sieht man bei langsamer Rotation Folgendes: von den beiden vollständig einander gleichen Ringen erscheint der innere weiss, der äussere schwarz. Bei schneller Rotation, wenn beide Ringe homogen grau aussehen. tritt die Erscheinung des simultanen Contrastes in reiner Form auf, und der äussere graue Ring sieht dann etwas dunkler als der innere aus. Wir sehen also, dass in der Erscheinung, die man bei langsamer Drehung der Scheibe Fig. 10 zu sehen bekommt, das Schwarz dieselbe Rolle vrie das Weiss spielt. Auf einer grossen weissen resp. schwarzen Fläche erscheint eine kleine schwarze resp. weisse Fläche bei langsamer Drehung breiter: die kleine Fläche gewinnt gewissermaassen die Oberhand, wras als eine durchaus zweckmässige Eigenschaft unserer Netzhaut betrachtet werden muss; denn -wäre die Sache umgekehrt, würde die grosse Fläche die Oberhand gewännen, so würde man die kleinere ganz übersehen können.
Es fragt sich nun: wie gestalten sich die Verhältnisse, wenn man den geschilderten Ring weder auf eine weisse noch auf eine schwarze, sondern auf eine graue Fläche (180° Weiss und 1S0U Schwarz) aufträgt? Die Scheibe Fig. 11 besteht aus zwölf weissen und zwölf schwarzen, gleich breiten Secto-
Fig. io.