﻿ZUR THEORIE DER HARNBILDUNG.
Abhängigkeit, von der grösseren oder geringeren Intensität des Stoffwechsels in den Harnkanälchen und zeigt die funktionelle Fähigkeit des Epithels der Kanälchen an *).
Auf die molekulare Concentration des Harns schliessen wir aus dessen Gefrierpunkt A (normal —1,3° bis—2,3°). A mit der 24-stündlichen Harnmenge V multiplicirt und auf die Gewichtseinheit P (in Kilogrammen) bezogen, A . V
—p— 5 stellt die gesammte 24-stündige molekulare Diurese, im Normalzustände
dar, nach Claude und Baltazard == 2500—4000, wenn man für A ganze Zahlen annimmt, und zeigt zugleich auf die Arbeitsleistung der Harnknäuel an. Es sei
z. B. A = —1.50°, V — 1200, P = 60, dann ist ^ TJ =	= 3000.
1	b 0
Ist der Procentgehalt des NaCl im Harne bestimmt, so wir es leicht den Gefrierpunkt desselben zu berechnen, da 1%-tige Kochsalzlösung bei—0,613° gefriert, und daraus, auf Grund der Differenz, auch den Gefrierpunkt (die Concentration) aller anderen, chlorfreien, abgearbeiteten Moleküle. Bezeichnet
man diesen Gefrierpunkt mit c,
so stellt
die
24-stündige
Menge
der
abgearbeiteten Moleküle, die Diurese der Harnkanälchen dar, die im Normalzustände = 1600—2500 ist. Wenn in dem angeführten Beispiele das % NaCl — 0,5 ist, berechnet sich dessen Gefrierpunkt X: 0,613 = 0,5 : 1, wobei X— — 0,30 (annähernd) ist. Auf Grund dessen ist o = A — X= 1,50 — 0,30 = c .V 120.1200
= 1,20°; -p- = - -	— = 2100. Das Verhältnis der Diuresen der Knäuel
60
und der Harnkanälchen
A . V
. V
~P~
wird durch das Verhältnis der betreffen-
den Gefrierpunkte — ausgedrückt, welches im Normalzustände 1,30—1,60 ist.
c
Claude und Baltazard, aus Bouchard's Klinik, haben, von Koränyi’s Theorie der Harnbildung ausgehend, sehr anschauliche und in praktischer Hinsicht bequeme Tabellen vorgeschlagen, die sie empirisch auf Grund von Beobachtungen an einer grossen Anzahl gesunder Menschen zusammengestellt haben. In die-
A . V
sen Tabellen stellt die eine Kurve, welche —p— entspricht, die Diurese der Ge-
fässknäuel, die zweite —
die Diurese
der Harnkanälchen, die dritte —
— —das Verhältnis beider Diuresen zu einander dar. Auf Grund dieser Kur-o
ven ist es leicht eine Vorstellung von dem Zustande des Blutumlaufs in den Nieren, dem Zustande der Glomeruli und der Harnkanälchen im einzelnen
*) Nach dieser Theorie, wie auch nach anderen, findet in den Harnkanälchen ausserdem auch noch umgekehrte Resorption von Wasser aus dem Harn ins Blut statt. Somit sind die Harnkanälchen Apparate, die den Harn condensiren.