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2UR THEORIE DER HARNBILDUNG.
Dass der Druck in den Harnkanälchen grösser ist als in den Capillaren, findet auch directe Bestätigung: wenn der Druck, unter welchem der Harn aus dem Harnleiter secernirt, 40—64 Mm., d. h. eine bedeutendere Höhe erreichen kann als in den Capillaren, so muss er in den dem Centrum, der Einwirkungsstelle des Filtrationsdruckes, näher liegenden Harnkanälchen noch höher sein. Stellt man sich noch vor, dass die Absonderung des Wassers aus den Harnkanälchen in den venösen Teil der Capillaren, wo der Druck noch niedriger ist, vor sich geht, so wird die Differenz des Druckes des Harns in den Kanälchen und des Blutes noch grösser sein. Es ist auch möglich, dass die Schliessmuskeln, von denen die Papillae renales umgeben sind und deren Funktion bis jetzt unbekannt ist, den Druck in denselben und das Aufsaugen des Wassers ebenfalls befördern, indem sie den Ausgang aus den Harnkanälchen verschliessen.
Natürlich ist es nicht denkbar, dass aus einer durch einen einfachen Filter durchgelassenen 1%-igen Lösung eine l'/_, %-ige erhalten werden könnte; würde aber ein so complicirter Filter, wie die Niere einen vorstellt, eingerichtet, so ist es höchst wahrscheinlich, dass eine concentnrtere Lösung erhalten werden würde.
Steilen wir uns einen Destillirkolben A aus irgend einem durchgängigen Material, etwa Thon, vor, umgeben wir dieselbe mit der Muffe B aus einer halbdurchgängigen Membran, und lassen wir eine l"/0-ige Kochsalzlösung unter Druck durch diesen Kolben fiiessen; in die Muffe wird diese Lösung auch als lü/0-ige durchfiltriren, da aber unter der Einwirkung des Druckes aus dem Cylinder durch die Membran Wasser durch-sickern, der Kochsalzgehalt aber nicht geringer werden wird, so ist es sehr wahrscheinlich, dass in der Muffe B eine 1'/, °/0-ige Lösung entsteht. Der Kolben A ist dem Gfefassknäuel, die Muffe B—dem Harnkanälchen analog.
Wenn es sich erweist, dass diese Annahme eine genügende Grundlage besitzt, so wird die Frage bezüglich der Resorption des Wassers durch die Harnkanälchen sowie die ganze Theorie der Harnbildung auf einfache physikalisch-chemische Prozesse zurückzuführen sein, welche nach Maly’s Versuchen unter anderem auch die saure Reaktion des aus dem alkalischen Blute erhaltenen Harns erklärt. Wird nämlich in den Dialysator eine Lösung gebracht, die eine Mischung von alkalischem phosphorsaurem Natron XaMBOi und saurem NaII2POi enthält, so dringt durch die tierische Membran vorwiegend das saure phosphorsaure Natron, im Blute sind diese beiden Salze enthalten, das letztere aber in geringerer Menge, und es bildet sich aus dem ersteren unter der Einwirkung der Kohlensäure, der Harnsäure u. s. w. Nach der Filtration dieser Salze in der Niere ist auf Grund des physikalischen Gesetzes der Dialyse die Möglichkeit der sauren Reaktion des Harnes gegeben.
A
B