﻿ZUR THEORIE PER HARNBILDUNG.
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zu gewinnen und demzufolge eine feinere Diagnose der Erkrankungen der Nieren zu stellen und zu bestimmen, ob in dem gegebenen Falle das Leiden seinen Sitz in den Glomeruli oder in dem Epithel der Harnkanälchen oder in diesem und jenen zugleich hat.
In Normalfällen nehmen alle 3 Kurven die Mitte der Tabelle zwischen den schwarz gedruckten Strichen ein.
Bei verminderter Diurese der Gefässknäuel, wie das bei Störungen der Herzcompensation (bei Stauungsniere), bei Glomerulo-Nephritis der Fall ist,
± . V A
besitzen die Kurven —und — eine geringe Höhe und kommen in dem
unteren Teil der Tabelle zu stehen: dabei ist im Harn wenig Chlornatrium enthalten, da bei der Stauung viel davon von den Harnkanälchen resorbirt wird, dagegen aber ist eine grosse Menge abgearbeiteter Moleküle, Harnstoff, Harnsäure u. dergl. vorhanden; o erreicht eine bedeutende Höhe und nähert
sich A, weshalb das Verhältnis zwischen den beiden Diuresen 4- durch eine
g
geringe, der Einheit nahekommende, Grösse ausgedrückt wird.
Bei pathologischen Veränderungen des Epithels der Harnkanälchen wird wenig Chlornatrium resorbirt und Del mit dem Harn ausgeschieden, dementsprechend scheidet sich nur eine geringe Anzahl abgearbeiteter Moleküle aus; o besitzt eine geringe Grösse und die Kurve, welche das Verhältnis zwischen A
den Diuresen s- ausdrückt, erreicht eine bedeutende Höhe und befindet sich
G
in der oberen Abteilung der Tabelle. Diese Lage der Kurve — ist für die
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Erkrankung des Epithels der Harnkanälchen charakteristisch.
Auf Grund dieser Methode diagnoscirten die Autoren bei einem an Störung der Herzcompensation leidenden Kranken auch noch Nephritis mit vorwiegender Erkrankung des Epithels der Harnkanälchen, wobei ausser einer geringen Menge Eiweiss in Harne, keine Andeutungen auf das Vorhandensein von Nephritis gefunden wurden. Die Autopsie bestätigte die Diagnose und vermehrte mithin die Anzahl der zu Gunsten von Koränyi’s Theorie zeugenden Thatsachen.
Eine vielleicht noch gewichtigere Bestätigung der Richtigkeit dieser Theorie hat die Untersuchung eines Falles geliefert, den ich seit Januar d. J. in der chirurgischen Abteilung des Alten Katharinen-Krankenhauses zu Moskau zu beobachten Gelegenheit gehabt habe.
Am 5 September 1900 war bei einer 44-jährigen Frau die rechte Niere infolge eines Stosses in drei Teile gespalten und auch der Harnleiter entzweigerissen.
Am 8 September wurden auf chirurgischem Wege zwei Teile dieser Niero entfernt, ein Teil aber zurückgelassen und die zu derselben führende Arterie unterbunden mit der Berechnung, dass sich das nachgebliebene Stück der Niere atrophiren werde. Wider Erwarten atrophirte sich dieser Nierenrest aber nicht, sonders es bildete sich bei der Kranken eine Nierenfistel, durch welche eine bedeutende Menge—in 24 Stunden bis zu 1 Liter—Harn von