﻿ZUR THEORIE RER HARNBILDUNG.
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Auf Grund dieser nach Claude und Baltarard zusammengestellten Tabelle konnten folgende Schlüsse gezogen werden:
1) dass die linke gesunde Niere fast vollständige Compensation leistet und wie zwei normale Nieren arbeitet: die Kurve, welche deren molekulare Diurese darstellt, befindet sich in den Grenzen der Arbeitsleistung der zwei Nieren. Die Compensation wird sowohl seitens der Glomeruli als auch seitens der Harnkanälchen beobachtet: alle drei Kurven finden ihren Platz in den Grenzen der Normalwerte; 2) dass die molekulare Diurese des Nierenrests sehr herabgesetzt und 7-mal geringer als diejenige der gesunden Niere ist: 325 aus der Fistel gegen 2210 aus der gesunden Niere, 426 : 2902 u. s. w.; dass sich verhältnismassig viel Chlornatrium und eine ganz unbedeutende Menge abgearbeiteter Moleküle (Harnstoff, Harnsäure und dergl.)—103 aus der Fistel gegen 1650 aus der gesunden Niere—ausscheidet. Das Verhältnis der Diuresen zu einander wird in sogrossen Zahlen ausgedrückt, dass für die Kurve in der Tabelle kein Platz ist, was auf eine starke Veränderung des Epithels der Harnkanälchen deutet. Man durfte annehmen, dass die Glomeruli nicht verändert waren, da viel Wasser und Kochsalz ausgeschieden wurde.
Da die gesunde linke Niere sich Hinlänglich hypcrtrophirt hatte und der Nierenrest hinsichtlich der Harnsecretion sehr geringe Arbeit leistete, der Kranken dabei grosse Beschwerden verursachend, so wurde der Schluss gezogen, dass es angezeigt sei den Rest der rechten Niere zu entfernen, wobei grosse Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang der Operation vorhanden war.
Am 11 Februar d. J. wurde der Rest, der ungefähr der ganzen Niere
betrug, entfernt, wonach aus einem sagittalen Schnitte der oberen Hälfte und einem äquatorialen Schnitte der vorderen Seite desselben, mikroskopische Präparate zubereitet wurden. In beiden Präparaten waren die Glomeruli ganz unverändert. Tn den Harnkanälchen hatte überall ein mehr oder weniger scharf ausgeprägter, diffuser Desquamations- und Atrophirungsprocess stattgefunden: die tubuli contorti waren an vielen Stellen durch körnige Chromatinmassen verstopft, das Epithel derselben entweder ganz verschwunden oder abgestorben. In der Richtung der Medullarschicht wird das Bild der Desquamationserscheinungen weniger deutlich, doch findet man auch hier krankhafte Veränderungen am Epithel der Henel’schen Schlingen und der geraden Kanälchen, welche an vielen Stellen mit eben solchen körnigen Massen ausgefüllt sind, wobei diese Massen wahrscheinlich nicht autochtonen Ursprungs sind, sondern sich von oben herabgesenkt haben. Solches ist Prof. Nikiforoff’s Meinung.
Die ausschliesslich auf der Annahme von der Richtigkeit der Koränyi’schen Theorie der Harnbildung beruhende Diagnose hatte sich in vollem Maasse bestätigt.
Seit der Operation sind nun schon zwrei Monate vergangen; die Kranke fühlt sich vollkommen wohl und hat schon längst das Bett verlassen.
In den ersten Tagen nach der Operation fiel die Diurese, wahrscheinlich aus dem Grunde, dass die Kranke 5 Tage lang keine Speise zu sich nahm, wornach dieselbe wieder stieg, sodass gegenwärtig die Kurven sich in den Grenzen der Norm befinden.