﻿HEBER EINE NEUE REACTION ETC.
253
Nephritis, Magencarcinom war sie weniger intensiv; bei zwei an Abdominaltyphus Erkrankten - schwach, hei einer mit Salmiakgeist Vergifteten trat die Reaction erst nach 24 St. ein und endlich bei einem Diabetiker und einer an Peritonitis leidenden Kranken fiel sie negativ aus.
Ein solches Ausbleiben der Reaction im Harn bei Diabetes war kaum vorauszusehen, da die Menge der Harnsäure bei dieser Krankheit gewöhnlich nicht verringert ist (Naunyn) und die Polyurie (gegen 5 Liter in 24 St.)—-eine solche Verdünnung der Harnsäure bei welcher keine Reaction mehr erhalten wird nicht bedingen konnte. So gab, z. B., der mit einer 10 -fachen Wassermenge verdünnte Harn der an Leukämie und der zwei an Tubercules«1 Erkrankten eine noch ganz deutliche farbige Reaction. Noch weniger konnte man ein negatives Resultat der Reaction in dem Falle von Peritonitis erwarten. Für die Erklärung dieser in einigen Fällen von pathologischem Harn zu Tage getretenen Eigentümlichkeit liess sich nur die Möglichkeit voraussetzen, dass es um chemische Substanzen, welche den gewöhnlichen Verlauf der Reaction verhindern, sich handeln müsse.
Theoretisch genommen, kann es zweierlei derartige chemische Substanzen geben, von denen die einen, wie z. B., Sublimat, das freie Iod binden, die anderen, z. B. starke Mineralsäuren, das Iod aus seinen Verbindungen mit der Stärkelösung verdrängen. Nach diesen Richtungen hin angestellte Versuche bestätigten diese Annahme.
Giesst man zu dem von uns untersuchten diabetischen Harn normalen Urin oder eine Lösung von Natriumhyposulfit -oder Harnsäure hinzu, so ist es unschwer sich davon zu überzeugen, dass dieser pathologische Harn besondere chemische Verbindungen, welche die Reaction verhindern, enthält. Hier fällt also trotz der unzweifelhaften Anwesenheit von redueirenden Substanzen die Reaction negativ aus. Dasselbe Resultat konnte auch mit einem andern nicht diabetischen Harn erhalten werden.
Von chemischen Substanzen untersuchten wir nach dieser Richtung hin: Acetessigsäure (Aethylester der Acetessigsäure), Acetylaceton, Cyanessigsäureester, Malonsäureester und folgende Säuren: 8-Oxybutyrinsäure, Hippursäure, Malonsäure. Milchsäure und mehrere andere, sowie Phenol und Antipyrin. Unter den genannten Substanzen verhindern Acetessigsäure, Malonsäure, Acetylaceton und Antipyrin das Zustandekommen der Reaction und bedingen Verschwinden der schon vorhandenen Blaufärbung. Cyanessigsäureester und ß-Oxy-butyrinsäure üben in dieser Hinsicht eine schwache Wirkung aus, während Phenol (5%), welches man aa. part, aequal. zu der zu untersuchenden Flüssigkeit hinzufügt, die Reaction zwar unmittelbar nicht verhindert, jedoch bald darauf eine Entfärbung der blau gewordenen Stärkelösung bedingt. Unter all diesen Substanzen besitzt die Acetessigsäure eine besondere Bedeutung, da dieselbe im Harn sowohl bei Diabetes als auch in verschiedenen anderen pathologischen Zuständen des Organismus, wie z. B. bei Eklampsien und gewissen Vergiftungen, angetroffen wird.
Um zu bestimmen, in welchen quantitativen Verhältnissen die Acetessigsäure den redueirenden Substanzen gegenüber ihre Wirkung äussert, bereitete ich zwei Mischungen: die eine aus gleichen Teilen einer l°/n-Lösung von Acet-
17*