﻿11EBËU DAS ELASTISCHE GEWEBE DES UTERUS
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Im 4-ten Monate der Gravidität nimmt starke Wucherung des Muskelgewebes die Aufmerksamkeit in Anspruch. Die Muskelfasern sind sehr ver-grössert, gleichsam angeschwollen; das Protoplasma derselben färbt sich heller. Infolge starker Yergrösserung der Muskelzellen erscheinen die Muskelbündel und -bündeichen im Vergleich zu denjenigen der Präparate, die sich auf den zweiten und dritten Monat der Gravidität beziehen, colossal. Die Kerne der Muskelfasern sind aus dem Ruhezustände gekommen, alle haben die Stäbchenform eingebüsst und die ovale Form angenommen. Die meisten befinden sich in verschiedenen Stadien der directen Teilung, indem sie biscuitartige Figuren, zwei Kerne in einer Faser, vorstellen; zuweilen kann über der Teilungsstelle des Kerns eine Furche an der Muskelfaser selbst beobachtet werden.
Die von uns constatirte directe Teilung der Muskelfasern in dem graviden Uterus bestätigt noch einmal das in der Biologie beobachtete Princip. welches, Friedrich Peinke ') nach, darin besteht, dass die directe Teilung niemals zur Bildung eines typischen, lebensfähigen Gewebes sondern nur zu Zellengebilden zu führen scheint, welche nach einiger Zeit untergeben.
ln unserem Falle haben die neugebildeten Muskelfasern nur eine zeitweilige Bedeutung. Nach Beendigung der Gravidität verschwinden sie.
Wir haben Gelegenheit gehabt zwei Präparate von Uteri im 4-ten Monate der Gravidität zu untersuchen; beide waren nach der Operation (extirpatio uteri) erhalten worden. Die Uteruswand wurde unmittelbar nach der Operation aufgeschnitten und der Inhalt desselben herausgenommen, wonach er sich zusammenzog (derselbe wurde kleiner und dessen W ände dicker). Die Contraction fand natürlich nicht infolge physiologischer Ursachen, sondern passiv, infolge der Elasticität der Uteruswand statt.
fn diesen zwei Uteri sowohl als auch in allen andern, die sich nicht auf Grund physiologischer Muskelcontraction, sondern nur infolge der Elasticität der Wände zusammenzogen iwie z. B. in einem Uterus, welcher nach dem an einer Todten ausgeführten Kaiserschnitt erhalten wurde, als derselbe, nach dem Tode der Frau von seinem Inhalt befreit, sich passiv zusammenzog, sowie in dem von einer während der Geburt gestorbenen Frau herrührenden Uterus) haben die Muskelfasern eine eigentümliche, sehr unregelmässige Form. Die Kanten der vergrösserten Muskelfasern (die Mitte derselben hat ja eine prismatische Form) weisen Scharten auf, wobei die Zacken derselben, sich verlängernd und Ausläufer aus Muskelprotoplasma bildend, quer über die zwischen den Muskelfasern befindlichen Zwischenräume ziehen. An Präparaten von Uteri, die sich physiologisch nach der Geburt zusammengezogen haben, ist keine Spur von solchen Erscheinungen zu sehen.
Die von uns beobachteten Zacken besitzen keine Aehnlichkeit mit den Brücken zwischen den Muskelfasern, welche in Stöhr s Lehrbuch abgebildet sind. Die beschriebenen Bilder an unseren Präparaten sind ganz identisch mit demjenigen, welches in Taf. XV, Fig. 22 von Joseph Schaffers Arbeit: «Zur Kenntnis der glatten Muskelzellen, insbesondere ihrer Verbindung» Zeitschr. f. wissensch. Zoologie. B. 66. S. 214 abgebildet ist. Die Bildung von Zacken
) Friedrich Reinke. „Grmidzüge der allgemeinen Anatomie“. Wiesbaden. 1901.
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