﻿UEFER DAS ELASTISCHE GEWEBE DES UTERUS.
275
dünn; dabei hat der Uterus einen so umfangreichen und schweren Körper, wie das Ei saimnt der Frucht ist, auszutragen, und muss deshalb dessen Wand grosse Haltbarkeit besitzen. Dass dieses der Fall ist, beweisen Fälle von Hy-dramnion, wenn die Uterus wand einen sehr starken inneren Druck auszuhalten hat, wobei dieselbe gewöhnlich unversehrt bleibt. Diese Haltbarkeit erlangt die Uteruswand dadurch, dass in das die Muskelelemente derselben verbindende Bindegewebe eine grosse Menge teiner elastischer Fasern hineingeflochten sind.
Dass das elastische Gewebe für die Haltbarkeit gewisser Teile des weiblichen Geschlechtsapparats von grosser Bedeutung ist, beweist auch noch die Gegenwart einer colossalen Menge von elastischen Fasern in den Ligamenta rotunda, die während der Gravidität sowohl als während der Geburt eine äusserst starke Streckung auszuhalten haben, wie auf Grund klinischer Beobachtungen allgemein bekannt ist.
Den Muskelbündeln, die nicht compact sondern zerstreut liegen, wie es in den Ligamenta lata und rotunda der Fall ist, dient das jedes einzelne Bündel umgehende und umflechtende elastische Gewebe unzweifelhalt als Stütze, welche demselben eine gewisse Lage anweist und ausserdem dem sich zusammenziehenden Muskelbündel als Uebertragungsstelle seiner Kraft dient.
Ein Vergleich von elastischen Fasern, die einerseits zu einem ausgestreckten, nicht zusammengezogenen Muskelbündel, andererseits zu einem zusammengezogenen gehören, lässt uns den Schluss ziehen, dass die elastischen Fasern nur ein sehr geringes Dehnungsvermögen besitzen, und die Elasticität derselben jedenfalls eine weit geringere ist als die absolute Elasticität der Muskelfasern (d. h. die Muskelelemente besitzen die Eigenschaft sich unter der Einwirkung sowohl physiologischer als physikalischer Kräfte bedeutend mehr als die elastischen Fasern zu verkürzen); das ist daraus ersichtlich, dass in den letzten Monaten der Gravidität die elastischen Fasern in dem Uterus geradlinig sind; nach der Geburt, also nachdem dessen Muskelfasern sich zusammengezogen haben, sind die elastischen stark gebogen, während die Muskelfasern es verhältnismässig nur in geringem Grade sind. Folglich findet beider Verkürzung der Muskelfasern infolge der Contraction derselben keine propor-tionelle Verkürzung der elastischen Fasern (die ja den Muskelfasern parallel sind) statt, infolge dessen sich die elastischen Fasern biegen müssen.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass die zur Zerstörung führenden Veränderungen der elastischen Fasern in der Uteruswand während der Geburt, auf welche wir hingewiesen haben, dieselben zur Anpassung an die neuen Verhältnisse vorbereiten, d. h. dieselben werden weicher und biegsamer, sodass sie den Contraetionen der Muskeln kein Hinderniss entgegensetzen können.
Somit gelangen wir hinsichtlich der Bedeutung des elastischen Gewebes für den Organismus im Allgemeinen und für den Uterus im Besonderen auf Grund unserer Beobachtungen zu demselben Schlüsse wie unsere Vorgänger Brunn '), Pokrowski und Melnikoff-Kaswedenkoff *), d. h. dass als haupt-
*) Brunn. „Beitrüge zur Ossificationslehre“ Arcli. f. die Anat. u. Pliys. 1874 (nach Dr. Po-krowski's Dissertation").
D Me/ nikujf-Ru sw cd rnkcff. „Histologische Untersuchung des elastischen Gewebe in normalen und pathologisch veränderten Organen“. Medic, übosreuie 1899.