﻿B 1 B T- 1 O G R A P II ! Ë.
281
Herzschläge hervor. Vorhergehende Vergiftung mit Atropin übte keine Veränderungen der Wirkung dieses Mittels auf das Herz aus. Beobachtungen über dessen Wirkung auf die Gefässe haben gezeigt, dass, bald nachdem dasselbe eingeführt worden ist, die Blutströmung rascher vor sich geht ohne merkliche Verengerung der Gefässe. Sobald aber die Verlangsamung der Herzschläge anfängt, wird Verengerung der Gefässe sichtbar. Auf die Muskeln des Skeletts übt Apocinium cannabini scheinbar keine Wirkung aus. Auf die motorischen Nerven wirkt es, indem es anfangs deren Erregbarkeit erhöht, später herabsetzt. Versuche an Warmblütlern haben gezeigt, dass nach der Einführung in eine Vene von 0,1 Cc. einer Lösung (1 : 20) von Apoeyu. canab. a ul je ein Kilo des Gewichts des Tieres der Puls voller, der Blutdruck höher wird. Darauf wird die Zahl der Pulsschläge vermindert, dann wieder normal, während die Stärke des Pulses sowie der Blutdruck erhöht bleiben.
Werden 0,2 Cc. Lösung auf je 1 Kilo Gewicht eingeführt, so vermindert sich die Zahl der Pulsschläge bedeutend, und macht sich eine bedeutende Erhöhung der Schwankungen des Pulses sowie des Blutdruckes bemerkbar. Das Athmen wird energischer. Bei 0,4 Cc. auf 1 Kilo tritt nach dem ersten Stadium der Verlangsamung der Herzthätigkeit Beschleunigung derselben ein, der Blutdruck steigt noch mehr, aber die Schwankungen des Pulses werden geringer. Nach einiger Zeit geht die Beschleunigung in Verlangsamung über. 1 Cc. Lösung auf je 1 Kilo Gewicht wirkt schon tötlich: nach plötzlicher starker Verlangsamung der Herzthätigkeit übersteigt die Zahl der Herzschläge die Norm, der Blutdruck steigt ebenfalls. Der beschleunigte Puls wird unregelmässig, es tritt deutliche Arythmie ein, der Blutdruck beginnt zu fallen, die Atlmiung verlangsamt sich, indem die Athemzüge anfangs tief bleiben, dann aber oberflächlich werden, die Pulsschläge fangen an sich zu verlangsamen, es treten krampfhafte Bewegungen auf. Endlich findet expiratorischer Stillstand der Athmung statt. Zugleich hört das Herz auf zu schlagen und der Blutdruck sinkt rasch bis auf 0.
Versuche unter Durchschneidung der Nn. vagorum haben gezeigt, dass Apocynum cannabinum auf den peripherischen Hemmungsapparat erregend, in grossen Dosen jedoch lähmend wirkt. Bei diesen Versuchen erreicht aber die Verlangsamung der Herzthätigkeit nicht den Grad, wie man sie bei unversehrt gebliebenen Nerven beobachtet, was darauf hinweist, dass an der Verlangsamung der Herzthätigkeit ausser dem peripherischen auch der centrale Hemmungsapparat teilnimmt.
Den Beobachtungen des Autors zufolge, erregt Apocynum cannab. nicht nur den Hemmungsapparat des Herzens sondern zugleich auch den Beschleunigungsapparat, da bei mit Atropin vergifteten Hunden, d. h. bei Lähmung des Hemmungsapparates, die Einführung von Extract. Apocyni cannabini eine leichte Beschleunigung des Pulses hervorruft.
W eitere Versuche des Autors zeigen, dass bei Tieren mit durchschnittenem Rückenmark nach der Einführung des betreffenden Extracts ins Blut trotzdem Erhöhung des Blutdrucks stattfindet, was darauf hinweist dass Apocynum cannab. auf die vasomotorischen Centra des verlängerten Marks wirkt.
Wie Versuche gezeigt haben, findet bei grossen Dosen Verengerung der peripherischen Gefässe statt.