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UEBER PIE WIRKUNG PER INDUCTIONSSCHLäOE ETC.
Es wirft sich nun die Frage auf, in welcher Richtung die Wimpern unter diesen Umständen thätig sind. Die äusserst grosse Geschwindigkeit, mit welcher die Wimpern sich bewegen, die jähe Ortsveränderung der Infusorien gestatten nicht, die Paramaecien in einem gewöhnlichen Heuaufguss zu beobachten. Um das Spiel des Wimperapparats studiren zu können, bedienen sich die Zoologen zu diesem Zwecke schon längst des Kirschgummi von verschiedener Consistenz, mit dem man die von der Kultur genommenen Paramaecien in einem Uhrglase vermischt. Stahl (16) schlug zu demelben Zwecke Gelatine vor, deren sich Jensen (17) zu seinen Beobachtungen bediente, und nach ihm Ludloff (13, S. 537) u. and. bei der Untersuchung der Thätigkeit des Wimperapparats der Infusorien unter dem Einflüsse des constanten Stromes benutzten; gewöhnlich entstand eine erstarrende Gelatinelösung (0,8—1,0%), in welcher die Thätigkeit der Cilien der unbeweglich gewordenen Infusorien studirt wurde. Trotz ihrer Zweckmässigkeit besitzt diese Methode dennoch einige Mängel, die mich bewogen haben dieselbe etwas ab zu ändern.
Das Wesentliche meiner Methode besteht darin, dass die Kultur der Infusorien in schleimigen und coTloidalen Medien aus Semini Psylii, Semini cidoniorum, Algae carragehen, Gummi-Traganthae, Agar-Agar, Gelatine, Kirschgummi u. dergl. vorgenommen wurde *)• Die Bewegungen der in diesen Medien lebenden Infusorien sind so verlangsamt, dass diese Methode es möglich macht die Wimpern in einem unmittelbar der Kultur entnommenen Tropfen, ohne vorhergegangene Vermischung in einem Uhrglase, unter starker Vergrösserung (Ocul. 4 und Object. D oder FF Zeiss) gut und ruhig zu beobachten. Bedeutendere Verlangsamung des Rytlimus der Wimpern wird dadurch erreicht, dass man einige Tropfen einer solchen Kultur in einem Uhrglase oder auf dem Objectträger etwas trocknen lässt; umgekehrt kann durch den Zusatz von 1—2 Tropfen Wasser Beschleunigung der Wimperschläge hervorgerufen werden. Ausserdem können in kurzen Probirgläschen Kulturen von verschiedenartigster Consistenz, von sehr flüssiger an bis zu überaus steifer, in welcher die Infusorien sich mühsam bewegen, bereitet werden.
Sämmtliche nächstfolgende Beobachtungen wurden an Kulturen in schlei-miq-colloidalen Medien vorgenommen und die erhaltenen Resultate durch vergleichende Beobachtungen an Infusorien aus einem gewöhnlichen Heuaufguss controlirt.
Der Tropfen mit den Infusorien wurde auf dem Objectträger zwischen unpolarisirbare oder Platinelektroden gebracht.
Die unpolarisirbaren Elektroden wandte ich in verschiedenen Modificatio-nen. Man legte dieselben an Leisten aus porösem weissem Kaolin der sehr zweckmässigen V e r w 0 r n’schen Kammer. Die Leisten waren 1,2 mm. hoch, der Abstand derselben betrug 10 mm.; zwischen ihnen bildete der Tropfen
*) Näheres über die Anwendung schleimig-colloidaler Medien, als einer neuen Methode für das Studium der Morphologie und der Biologie der Infusorien, habe ich in einer Sitzung der Zoologischen Abteilung der Ges. von Freunden d. Naturw., Anthrop., Geogr. u. Ethnogr. in Moskau, am 14 November 1902. mitgeteilt. Diese Mitteilung wird nächstens gedruckt erscheinen. '