﻿UEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHLÄGE E'IC	53
reagirt durch mehrere Schläge der Wimpern nach vorn, infolgedessen kein einzelner Ruck oder Sprung nach hinten, sondern längere Rückwärtsbewegung beobachtet wird*
Einige Schläge mittlerer Intensität (nach einer bestimmten Reaction) vermindern oder heben für eine Zeitlang die Erregbarkeit der Ciliata auf -Ermüdungserscheinungen; auf eine neue ziemlich starke Reizung reagirt der Protist entweder gar nicht oder ganz regellos. Tote Protisten reagiren auf einzelne Inductionsschläge nicht. Die Zerstörung des Protoplasma bei solchen Infusorien, denen die Fähigkeit sich zu contrahiren abgeht, findet gewöhnlich nicht momentan nach einem, sondern erst nach mehreren Inductions-schlägen statt und ist eine Folge electrolytischer Processe.
10.	Thygmotaktische Infusorien, die infolge der Verzweigung des Stroms durch einen schwächeren Schlag gereizt werden (S. 46), reagiren schwächer als frei umherschwimmende Infusorien.
11.	Die Resultate meiner Experimente mit den Ciliata stehen somit im Widerspruch mit dem Pflüg ergehen Gesetz der Polarerregung; die momentane Welle eines Inductionsöffnungsschlages ruft bei 17 Arten Ciliata eine anodische Erregung hervor, die sich durch bestimmte Reactionen auslöst. Als beste Objecte für das Studium der Reaction betrachten wir Paramaecium und Lacrymaria.
Wenn man sich vergegenwärtigt, dass ähnliche Abweichungen von dem Pflügeraschen Gesetz unter der Einwirkung des constanten Stroms auch bei einigen von Kühne (40) und V er worn (1) untersuchten Rhizo-poda beobachtet worden sind, so stimmt man letztgenanntem Forscher bei: «dass sich kein allgemein gültiges Gezetz der polaren Erregung für alle lebendige Substanz aufstellen lässt> (41, S. 44i)-
12.	Der Unterschied in der morphologischen und chemischen Structur der verschiedenen Ciliata ist die. Hauptursache des verschiedenen Charakters der Reactionen derselben auf die elektrische Reizung.
Moskau, 1902, 17 November.
Li;teraturverzeichniss.
1. M. Verworn: a) Die polare Erregung durch den galvanischen Strom. Arch.
f. ges. Phys. Bd. 45. S. 1—36 und Bd. 46. S. 267—303. 1889 u. 1890. „	b) Untersuchungen über die polare Erregung der lebendigen
Substanz durch den constanten Strom. Arch. f. ges. Phys., Bd. 62. S. 415—450. 1896.
„	c) Die polare Erregung der lebendigen Substanz durch den con-
stanten Strom. Arch. f. ges. Phys., Bd. 65, S. 47—62. 1897.