﻿DAS GLOBULIN DES BLUTFARBSTOFFS.	73
Protemsubstanz an dem Aufbau des Blutfarbstoffs aufgestiegen war. Dieser Umstand ist um so interessanter, als, nach ihnen, Fourcroy zwar auch eine Proteinsubstanz in dem Blutfarbstoff annahm, diesen aber als eine Verbindung von Protemsubstanz, Eisenphosphat, Gelatine u. s. w. * *) betrachtete. Ebenso spricht sich zu Gunsten des Proteincharakters des Blutfarbstoffs auch Berzelius (1 p. 35) aus, indem er diesen nebst dem Albumin und Fibrin für Modificationen einer und derselben Substanz hält2). Demgemäss unterscheidet Berzelius auch in dem Blutfarbstoff zwei verschiedene Zustände: einen löslichen und einen durch Wärme geronnenen 3), wie sie für das Eiweiss bekannt waren. Diesen geronnenen Zustand des Blutfarbstoffs, wenn es erlaubt ist sich so auszudrücken, wollte Berzelius zur Abscheidung desselben benutzen. Er erhielt den reinen Blutfarbstoff’ (3 p. 39; 1 p. 35; 4 p. 42) folgendennaassen: das Coagulum wurde in dünne Stücke geschnitten, diese zur Befreiung vom Serum auf Fliesspapier gelegt und dann, unzweifelhaft bei niedriger Temperatur, getrocknet (4 p. 46); aus den Schnitten wurde der Blutfarbstoff mit Wasser extrahirt und die erhaltene dunkle, undurchsichtige Flüssigkeit durch Erwärmen zumGe rinnen gebracht. Der brauneNiedersehlag wurde bei 70° getrocknet. Berzelius hielt denselben für den Blutfarbstoff und fand in demselben, wie auch in dem geronnenen Eiweiss, die Eigenschaften des Fibrins. So löste sich dieses Coagulum nicht mehr in Wasser, wohl aber in Essigsäure, wobei Ammoniak in der sauren Lösung einen dunkelbraunen Niederschlag hervorbrachte, in welchem Berzelius unveränderten Blutfarbstoff erkannte, während das Filtrat gelb gefärbt war und beim Abdampfen einen weissen, aus Albumin4) bestehenden Niederschlag a b s e tz t e, von welche m, B e r z e 1 i u s’ W o r t e n nach, der Blutkuchen s c h w e r zu reinigen war (3 p. 41). Das soeben beschriebene Berzelius’sche Verfahren diente nicht nur als Grundlage, sondern gab auch noch den Anstoss zur Darstellung des Globulins, folglich auch zur Erforschung der Zusammensetzung des Hämatoglobins. Trotz der besseren Abtrennung des Serums durch Fliesspapier als durch Fourcroy’s Verfahren kann man dennoch annehmen, dass in das wässerige Extract des getrockneten Coagulums in Berzelius’ Versuch auch Serumalbumin übergegangen war; unstreitig waren auch Blutkörperchen und deren Stromata in der Lösung suspendirt, was die Undurchsichtigkeit derselben beweist; dennoch spaltete sich das in Lösung befindliche Hämatoglobin beim Kochen in Hämatin und Globulin, welche, zusammen mit dem Albumin und den Stromata der Blutkörperchen, ein braunes Coagulum bildeten; dieses bestand hauptsächlich aus dem Globulin des Blutfarbstoffs, infolgedessen nach der Auflösung desselben in Essigsäure das Globulin in der Lösung vorherrschte; dabei schied sich bei der Fällung das Hämatin, da es sich verhältnissmässig leicht niederschlägt, mit einem Teil des Globulins aus, und die Mutterlauge nahm eine gelbe Färbung an, wobei in derselben die Hauptrolle wieder dem Globulin gehö-
9 „Le sérum rouge du sang ou la partie colorante de ce liquide obtenue par le lavage du caillot, après la séparation du sérum ou de la partie séreuse blanche, est donc composé de beaucoup d’eau, de matière albumineuse et gélatineuse, de phosphate de fer suroxidé, de soude et quelques substances salines“ (16 p. 156).
*) „Fibrin, albumen and colouring matter, ressemble each other so closely, that they may be considered as modifications of one and the same substance, I shall in future call them albumi-
nous contents of the blood, when speaking of the collectivity“ (1 p. 35).
3) „La matière colorante dissoute fut séparée de Peau a) par l’é v a p a r a t i o n pour les expériences où il falloit l’avoir sans altérations et avec conservation de sa solubilité et b) par l’é-b u 11 i t i q n, qui la fait coaguler* (4 p. 42).
*) „La solution, après la précipitation par l’am-moniaque, est jaune et dépose par l’évaporation une quantité de matière blanche, que l’on voit clairement être de l’albumine, dont il est impossible de dépouiller le caillot“ (3 p, 41).