﻿DAS GLOBULIN DES BLUTFARBSTOFFS.
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Berzelius selbst sagt in demselben Jahre, 1830, in seinen Jahresberichten (5 p. 315), ferner im Jahre 1831 (7 p. 317), geradezu aus, dass Lecanu mit dem Namen „Globulin“ den braunen Blutfarbstoff benannt hatte, welcher bei dem Zerfall des gewöhnlichen Blutfarbstoffs ') entsteht. Mit diesen Thatsachen stimmen die von Milne-Edwards (37 p. 171) erwähnten überein.
Nichtsdestoweniger erhielt das „Globulin“ seine gegenwärtige Bedeutung erst in den Arbeiten von Berzelius (8 p. 60), welcher diese Benennung dem Protemstoff gab, den Lecanu bei der Zersetzung des Blutfarbstoffs erhalten und Albumin benannt hatte, während Lecanu’s Globulin von Berzelius Hämatin genannt wurde; die Verbindung aber des Globulins (Lecanu’s Albumin) mit Hämatin (Lecanu’s Globulin) wurde Blutrot* 1 2) benannt, welch letzteres in der Folge in Fr. Simon’s Arbeit Hämatoglobu-lin 3) genannt ist. Doch wurde diese Benennung, welche auf die Zusammensetzung des Blutfarbstoffs hinwies4), ebenfalls Berzelius zugeschrieben und zwar von solchen Autoren wie Hoppe-Seyler (23 p. 176) und Preyer 5) (45 p. 3), die wenigstens auf diesem Gebiete historische Angaben nicht vernachlässigten, und durch deren Arbeiten viele noch heute anerkannte Sätze über die Eigenschaften des Blutfarbstoffs festgestellt worden sind.
Hoppe-Seyler giebt seinerseits die Benennung „Hämoglobin“ (1864, 22 p. 233 und 1867, 23 p. 174), einen Ausdruck, welcher allgemeine Verbreitung gefunden hat, trotz Preyer’s (45 p. 4) Einwendung, der auf die etymologische Unrichtigkeit dieser Benennung aufmerksam machte.
Simon’s Ausdruck „Hämatoglobulin“ entspricht sowohl historisch als auch dem Sinne nach seiner Bestimmung mehr, da er direct* den gleichmässigen Anteil des Hämatins (Haemato) und des Globulins (Globulin) an der Bildung des Blutfarbstoffs anzeigt; dessen erwähnte auch schon Lecanu (28 p. 21), welcher den Beweis erbrachte, dass in dem Blutfarbstoff bis 50% Globulin (sein Albumin) enthalten sind; andererseits entspricht dieser Ausdruck auch der Vorstellung von dem Zerfall des Blutfarbstoffs in Hämatin und Globulin, der seit Lecanu’s Zeit angenommenen Lehre zufolge.
Hoppe-Seyler’s Ausdruck kann zum Teil durch den Umstand gerechtfertigt werden, dass Preyer (45 p. 168 und 169), um möglichen Missverständnissen durch den häufigen Gebrauch des Wortes „Globulin“ zur Bezeichnung von Protemkörpern verschiedenen Ursprungs vorzubeugen, den Protemstoff des Blutfarbstoffs (Lecanu’s Albumin, Berzelius’ Globulin) „Globin“ (ib. p. 169 u. 58) zu nennen vorschlägt. Dem oben Gesagten gemäss und aus historischen Gründen ist es geraten der Benennung „Hämatoglobulin“ oder „Hämatoglobin“ den Vorzug zu geben, um so mehr als sie sowohl in pädagogischer als auch in chemischer Beziehung ihre Bestimmung besser erfüllt, indem sie geradezu ausdrückt, dass der Blutfarbstoff haupsächlich aus Hämatin und Globulin (oder Globin) besteht.
Indem ich die Benennungen „Globulin“ und „Globin“ für gleichbedeutend ansehe, glaube ich, dass, Kürze halber, Globin besonders tauglich zur Bildung
*) „.....eine chemische Verbindung einer eige-
nen gefärbten Materie, die er (Lecanu) G 1 o b u-
1 i n nennt.......“ (5 p. 315).
2) „Die Verbindung von Globulin und Haema-tin will ich Blutroth nennen“ (8 p. 62).
*) „Berzelius nennt die Verbindung des Globulins mit dem Haematin Blutroth; ich erlaube mir dafür den Namen Haematoglobulin vorzuschlagen“ (52 p. 302)'.	-
4) Wenn auch nicht zufällig, so doch ohne eine
klare Vorstellung von den Bestandteilen des ro-
ten Blutkörperchens verband Simon in dem Worte „Haematoglobulin“ die Benennungen der tliatsäch-lichen Bestandteile des Blutfarbtoffs. Simon’s (52 p. 302) Erklärungen nach, kann der Ausdruck Haematoglobin auch auf das rote Blutkörperchen bezogen werden, wovon wir Näheres in dem Kapitel über das Globulin des Blutkörperchenstroma ausführen. werden.
s) Uebrigens verbessert Preyer in der Folge seinen Fehler in derselben Arbeit (45 p. 205),
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