﻿86
DAS GLOBULIN DER LINSE DES AUGES.
Die unbestimmten Reactionen des Krystallins werden bald durch neue, doch den Reactionen für die protemlialtigen Flüssigkeiten im ganzen nahestehende ersetzt. Lehmann (27 p. 376) fand jedoch einem Unterschied erstens darin, dass das wässerige Linsenextract bei 73° anfängt zu opalesciren, bei 83°—sich zu trüben und bei D3° coagulirt, zweitens, dass dieses Extract weder durch Essigsäure noch durch Ammoniaklösung allein gefällt wird, aber bei consecutiver Bearbeitung mit den genannten Flüssigkeiten sich niederschlägt. Im Uebrigen findet Lehmann zwischen dem Extract und den prote'inhaltigen Flüssigkeiten keinen Unterschied. Im folgenden Jahre giebt er (28 p. SO) als Temperatur, bei welcher ein wässeriges Linsenextract sich niederschlägt, schon 73° an. Bemerken wir noch, dass zu Lehmann’s Zeit es für ein iür das Albumin charakteristisches Kennzeichen galt, dass dasselbe durch Essigsäure nicht gefällt wird (31 p. 96).
Bald darauf findet Lehmann ein charakteristischeres Verhalten der wässerigen Linsenextracte und zwar durchaus in Verbindung mit der Gewinnung des Hämato-globins, nun aber schon in krystallinischer Form!...
Nachdem Funke (7 p. 172) das Krystallisationsvermögen des Hämatoglobins gezeigt hatte, schlug Lehmann seinerseits ein Verfahren vor, Hämatoglobinkrystalle in grösseren Mengen darzustellen. Dieses Lehmann’sche Verfahren gewann für die Geschichte des Globulins eine sehr wichtige Bedeutung. Dasselbe bestand in Folgendem: nach der Abtrennung des Serums behandelte Lehmann das Blutcoagulum mit ebenso viel oder anderthalbmal so viel Wasser und leitete in die Flüssigkeit zuerst Sauerstoff, dann Kohlensäure ei n, wobei 5 Minuten später die Bildung von Krystallen beobachtet werden konnte (23 p. 65; 27 p. 415; 9 p. 66). Lehmann, der in der Lösung des Hämatoglobulins, oder, wie er es nannte, Hämatokrystallins (25 p. 101), im ganzen Reactionen der Proteinkörper wahrgenommen hatte, suchte zwischen dem Hämatoglobulin und irgend einer andern Protemlösung eine Parallele zu ziehen, und wandte ganz zufällig seine Aufmerksamkeit unter anderem dem Krystallin, oder, wie man diesen Körper schon damals zu nennen begann, dem Globulin, zu. Natürlich zog Lehmann die besonderen Eigenthfimlichkeiten des Hämatoglo-bins in Betracht; auch suchte er ja nicht Identität aufzüstellen, sondern wollte nur das Verhalten der Proteinlösurigen zur Kohlensäure prüfen.
Bei Lehmann’s Versuchen erwies es sich, dass, während eine ITämatoglobinlösung unter dem Einflüsse der Kohlensäure einen krystallinischen Niederschlag ausscheidet, ein wässeriges Linsenextract b e i der Durchleitung eines Kohlensäurestroms einen amorphenNiederschlag in Gestalt von gallertartigen Flocken giebt,'wobei derselbe beim Auswaschen mit Wasser, welches ebenfalls Kohlensäure enthält, sich nicht a u f 1 ö st. Wird aber der Niederschlag in der Mutterlauge an der Luft gelassen, oder Sauers to ff durchgeleitet, so löst sich derselbe in der Mutterlauge wieder auf (ib. p. 122).
Schmidt, A. (39 p. 431), der Lehmann’s Versuche unter denselben Bedingungen wiederholte *), fand, dass die wässerige Lösung reiner Hämatoglobinkrystalle unter dem Einflüsse von Sauerstoff, dann von Kohlensäure, nicht immer aufs neue Krystalle ausscheidet; ist die Lösung wenig concentrât, so erscheint, anstatt der Krystalle, eine Trübung, — dessen erwähnt übrigens, auch schon Lehmann; - Schmidt aber sah, ausserdem, dass diese Trübung bei der Durchleitung von Sauerstoff durch die Mutter-
*) És ist eben der aut S. 4SI beschriebene Fall, gegebenen irrtümlichen Deutung (s. p. n. 18) gar auf den ich mich beziehe, da der auf S. 430 der- keinen Wert hat. selben N» 39 befindliche infolge der ihm von Schmidt