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DAS GLOBULIN DER LINSE DES AUGES.
Bei der Erwägung dieser Identificirung ist es notwendig in Betracht zu ziehen: 1) dass Schmidt zu jener Zeit vollständig von dem Gedanken an die unbedingte und wichtige Bedeutung der fibrinoplastischen Substanz für die Blutgerinnung in Anspruch genommen war; 2) dass dieser letztere Umstand, nämlich der Einfluss auf die Blutgerinnung, schon an sich selbst genügte Schmidt zu Gunsten dieser Identität zu stimmen und 3) dass Schmidt unter dem Namen „fibrinoplastische Substanz“ die verschiedenartigsten Producte *) begriff. Noch mehr: schon die erste Beobachtung, der erste Schritt, der ihn zu dem Gedanken leiten konnte, dass das Hämatoglobulin sich spaltet und dessen Product thatsächlich fibrinoplastistische Eigenschaften besitzt, d. h. die Blutgerinnung beschleunigt, wurde von ihm falsch gedeutet. So trägt er (ib. p. 430) die abfiltrirten Krystalle des gereinigten Hämatoglobulins in Hydrocele-flüssigkeit ein, wonach Auflösung der Krystalle und gleich darauf Gerinnung dieser Flüssigkeit beobachtet wird. Nach der Entfernung des Fibrins beabsichtigte Schmidt die Hämatoglobinkrystalle aus der dunkelroten Flüssigkeit wieder abzuscheiden, zu welchem Zwecke er, nach Lehmann’s Verfahren (p. n. 86—-7), nach vorhergehender Verdünnung mit Wasser zuerst Sauerstoff, dann Kohlensäure durch die Flüssigkeit leitete. Zwar trübte sich die Flüssigkeit dabei, schied aber, zu Schmidt’s Verwunderung, nicht Krystalle des Blutfarbstoffs, welcher durchaus in der Lösung blieb, sondern farblose Partikelchen aus, die sich leicht zu Flocken zusammenballten und fibrinoplastische Substanz vor stellten. „Offenbar gehörte dieser gerinnungserzeugende Körper den in die Flüssigkeit gebrachten Blutkrystallen an“, erklärt Schmidt, „deren Substanz bei der Behandlung mit Kohlensäure sich gespalten hatte, wobei ein Teil derselben — der Farbstoff—in Lösung blieb, „der andere — die fibrinoplastische S u list a n z—i n Form jenes w eis s e n Niederschlages ausgeschieden w u r d e“ 2).
Wenn kein Grund vorhanden ist, an der Möglichkeit einer, wenn auch unbedeutenden, Zersetzung des Hämatoglobins in dem beschriebenen Falle zu zweifeln, so kann noch weniger abgeleugnet werden, dass die Hauptmasse des Niederschlags das
*) S. die Gescliiclite des Seroglobins (Kap. IV). s) „Dm-cli weitere mit Blutkrystallen angestellte Versuche gelang es mir nun, die fibrinoplastische Substanz wirklich darzustellen und zu isoliren. Nachdem ich die durch wiederholtes Abschlämmen mit destillirtem Wasser möglichst gereinigten Krystalle von Meerschweinchenblut auf einem Filtrum so lange mit destillirtem Wasser ausgewaschen hatte, bis sich im Filtrat kein Serumeiweiss mehr nachweisen liess (insofern salpetersaures Silberoxyd keine Fällung bewirkte)—bewirkte ich durch Beimengung der rückständigen Krystalle die Gerinnung einer Hydroceleflüssigkeit, die spontan nicht coagidirte, also auch keinen Gehalt an fibri-noplastischer Substanz besitzten konnte; vor Eintritt der Gerinnung lösten sich die Blutkrystalle, wie ich schon früher angegeben, vollkommen auf.— Nach Entfernung des Faserstoffes versuchte ich es, aus der dunkelrothen, jetzt fibrinoplastisch wirkenden Flüssigkeit durch die gewöhnliche Behandlungsart, also durch Verdünnung mit Wasser und durch Sauerstoff-und Kolilensäuredurchlei-tung die Blutkrystalle wieder darzustellen. — Die Flüssigkeit trübte sich dabei, aber diese Trübung beruhte nicht auf einer Krystallausscheidung; der
Farbstoff blieb durchaus in Lösung, und die trübenden Partikelchen sammelten sich zu einem ganz weissen Sediment, welches sich unter dem Mikroskop als aus einer ungeheuren Masse farbloser, amorpher, ausserordentlich kleiner Körnchen bestehend erwies; dieselben zeigen stets eine sehr ausgesprochene Neigung, sich zu unregelmässigen Haufen oder zu mehr oder weniger langen Stäben zu gruppiren. Die fibrinoplastische Substanz erschien jetzt in Gestalt dieses Sedimentes präci-pitirt und die von demselben abfiltrirte gefärbte Flüssigkeit war unwirksam geworden, während das Sediment selbst, bei Zusatz einer fibrinösen Flüssigkeit sich augenblicklich löste, worauf die Gerinnung erfolgte. Offenbar gehörte dieser gerinnungserzeugende Körper den in die Flüssigkeit gebrachten Blutkrystallen an und es war also die Substanz der letzteren nach ihrer Auflösung durch erneuerte Behandlung mit Kohlensäure gespalten W'orden, indem ein Bestandtheil derselben, der Farbstoff, in Lösung blieb, während der andere, die fibrinoplastische Substanz, in Form jenes weissen durch seine eigenthümliche Wirkung cha-rakterisirten Niederschlages ausgeschieden wurde“, (ib. p. 430).