﻿Das Globulin der Linse des Auges.
Lentoglobin.
Synonyme: Albumin—Nicolas, KrystallinJ)—Hünefeld, Globulin—Berzelius, Ca sein—Simon, Melalbumin—Frémy & Valenciennes (nach Béchamp), Globulin—Schmidt, fïbri-noplastische Substanz—Schmidt, Lentoglobin■—Morochowetz.
Von Prof. Leo Morochowetz.
Geschichte des Lentoglobins. Die ersten Angaben über das Vorhandensein eines Prote'inkörpers in der Linse werden gewöhnlich Chenevix zugeschrieben: doch kann ich darauf hinweisen, dass bereits im Jahre 1780 Wasserberg (46 p. 316), die Linse des Auges mit den proteünhaltigen Flüssigkeiten in eine Reihe stellend, gefunden hatte, dass dieselbe, gleich dem Eiweiss, in Wasser und unter der Einwirkung von Wärme sich trübt. Bald darauf, im Jahre 1789, fand Plenk (36 p. 56), dass die Linse der Warmblütler durch Alkohol und Wärme zum Gerinnen gebracht wird, während bei den Fischen nach dem Kochen nur die äusseren Schichten der Linse gerinnen, das Innere aber halbdurchsichtig bleibt. Endlich weist Fourcroy (6 p. 308) nicht nur auf die Trübung der Linse durch Wärme, Säuren und Alkohol hin, sondern spricht noch die Ansicht aus, dass dieselbe aus einer Prote'insubstanz und „Gelatine“ bestehe. Nichtsdestoweniger bleibt Chenevix (4 p. 578) das Verdienst, auf die Gegenwart eines Prote'm-körpers hingewiesen und eine besondere Methode für die Untersuchung der Bestandteile der Linse in Anwendung gebracht zu haben. Chenevix scheint der erste gewesen zu sein, der ein wässeriges Extract aus der verriebenen Linse erhalten und gefunden hatte, dass dasselbe durch Tannin und z u m Teil auch durch Hitze gefällt wird. Dieses Verhalten leitete Chenevix zu dem Schluss, dass die Linse grösstenteils aus „Gelatine“ besteht. In dem Kapitel über das „Albumin“ werden wir sehen, dass Fourcroy’s und Chenevix’s „Gelatine“ eine eben solche Pro-temsubstanz wie das gewöhnliche Eiweiss ist, welches in gewissen Fällen für Leim (Glutin), doch auch nur äusserlich, angesehen wurde.
Wie dem auch sei, Nicolas (1805. 34 p. 312) allein wies ohne Schwanken auf das Vorhandensein eines Prote'inkörpers in dem wässerigen Extract im Mörser verriebener Linsen hin; das trübe Extract lieferte ein durchsichtiges Filtrat, welches die Reactionen des Albumins besass. Auch Berzelius (2 p. 68) fand, dass die Linse beinahe vollständig in Wasser lösbar ist, wobei die Lösung in der Wärme coagulirt; doch gleicht der Niederschlag nicht dem Coagulum-des Albumins, sondern ist körnig und undurchsichtig und erinnert dem Aussehen nach an den unter gleichen Umständen coagulirten Blutfarbstoff. Brandes (3 p. 197), der, für jene Zeit, ziemlich weitgehende Untersuchungen ausführte, fand, dass die Linse unstreitig eine Protemsubstanz enthält, welche zum Teil in Wasser löslich, grösstenteils aber unlöslich ist, wobei er den löslichen Teil mit dem Serumalbumin identificirte.
Hünefeld, der die Substanz der Linse Krystallin (1827, 18 p. 92) benannt hatte, gewann dieselbe entweder einfach durch Auslaugen mit Wasser oder säuerte das
l) Die in die Chemie eingeführte Benennung zugeschrieben; unstreitig aber hatte Hünefeld „Krystallin“ wird von Wittstein (60 p. 847) — (1827. 18 p. 92 u folg.) sich derselben früher als Simon, vou Laptschinski (21 p. 631) — Berzelius Simon oder Berzelius bedient.